Ein gesunder Lebensstil bedeutet heute deutlich mehr als nur ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Viele Menschen stehen unter dauerhaftem Stress, schlafen zu wenig, verbringen viel Zeit vor Bildschirmen und sind täglich Umweltbelastungen ausgesetzt. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, wie wichtig Prävention und eine gezielte Unterstützung des Körpers im Alltag geworden sind. In diesem Zusammenhang rücken natürliche Pflanzenstoffe immer stärker in den Fokus der Gesundheitsforschung. Besonders häufig wird dabei über sogenannte OPC gesprochen, also oligomere Proanthocyanidine.
Hinter der kompliziert klingenden Sammelbezeichnung „oligomere Proanthocyanidine” (kurz: OPC) verbergen sich sekundäre Pflanzenstoffe mit starken antioxidativen Eigenschaften, die den Körper auf vielfältige Weise unterstützen können. OPC gehören zur Gruppe der Polyphenole. Dabei handelt es sich um bioaktive Pflanzenstoffe, die Pflanzen unter anderem zum Schutz vor äußeren Einflüssen bilden.
Besonders hohe Mengen an OPC finden sich in Weintrauben, weshalb Traubenkernextrakte als eine der bekanntesten OPC-Quellen gelten. Darüber hinaus kommen oligomere Proanthocyanidine auch in den Schalen und Häuten von Himbeeren, Heidelbeeren, Cranberrys, Erdnüssen oder in der Rinde bestimmter Bäume wie der Pinie vor.
Die Besonderheit von OPC liegt vor allem in ihrer antioxidativen Wirkung.
Antioxidantien helfen dabei, sogenannte freie Radikale zu neutralisieren. Diese aggressiven
Sauerstoffverbindungen entstehen täglich im Körper und können Zellen schädigen, wenn sie Überhand nehmen. In einem gewissen Maß sind freie Radikale normal. Gerät das Gleichgewicht jedoch aus der Balance, entsteht sogenannter oxidativer Stress. Dieser wird mit zahlreichen Beschwerden und Alterungsprozessen in Verbindung gebracht.
Freie Radikale und oxidativer Stress entstehen unter anderem durch:
- UV-Strahlung
- Umweltgifte
- Rauchen
- unausgewogene Ernährung
- Schlafmangel
- psychischen Stress
- intensive körperliche Belastung
Oxidativer Stress kann Zellstrukturen angreifen, Entzündungsprozesse fördern und den Abbau von Kollagen beschleunigen. Dadurch können Hautalterung, Gefäßveränderungen oder Stoffwechselprobleme begünstigt werden. Antioxidantien wie OPC wirken diesem Prozess entgegen, indem sie freie Radikale binden und unschädlich machen. Genau deshalb gelten sie als interessante Unterstützung für einen gesundheitsbewussten Lebensstil.
Bei der gezielten Versorgung des Körpers mit antioxidativen Mikronährstoffen ist es grundsätzlich sinnvoll, mehrere verschiedenartige Antioxidantien miteinander zu kombinieren, zumal sich fast alle Antioxidantien wechselseitig ergänzen und regenerieren können. In diesem Kontext werden oft auch die antioxidativen Eigenschaften der beiden Vitamine C und E hervorgehoben. Allerdings werden diese beiden Vitamine auch noch für zahlreiche andere Körperfunktionen benötigt. Außerdem hat sich in vergleichenden Tests gezeigt, dass die antioxidative Leistungskraft von OPC in etwa 20 mal so stark ist wie die von Vitamin C und etwa 40-50 mal so stark wie die von Vitamin E.
OPC und Kollagen: Schutz für Bindegewebe und Gefäßwände
Ein weiterer Fokus der Forschung liegt auf dem Einfluss von OPC auf Kollagen und Elastin — zwei wichtigen Strukturproteinen, die eine elementare Rolle für die Stabilität und Elastizität unseres Bindegewebes und unserer Gefäßwände spielen. Entsprechende Studien zeigen, dass OPC bestimmte Enzyme hemmen können, die am Abbau von Kollagen beteiligt sind, darunter sogenannte Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) und Kollagenasen.
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass OPC sich an beiden Gerüstproteine Kollagen und
Elastin anheften und somit die Stabilität vorhandener Kollagenfasern unterstützen und oxidativen Stress im Gewebe reduzieren können. Auch dadurch können die Elastizität und Widerstandskraft von Haut, Gefäßen und Bindegewebe positiv beeinflusst werden.
Hierbei arbeiten OPC eng mit Vitamin C zusammen, das wiederum direkt an der Kollagenbildung beteiligt ist bzw. sogar zwingend für die Kollagenbildung benötigt wird.
Einfluss von OPC auf Durchblutung und Gefäße
Einige Studien deuten darauf hin, dass OPC die Funktion der Blutgefäße unterstützen könnten. Diskutiert werden unter anderem antioxidative und entzündungshemmende Effekte auf die Gefäßinnenwand (Endothel) sowie eine mögliche Verbesserung der Mikrozirkulation.
Insbesondere sind OPC dafür bekannt, die Fließeigenschaften des Blutes günstig zu beeinflussen. Einige Untersuchungen zeigen Hinweise auf eine leichte Hemmung der Blutplättchen-Aggregation. Dadurch kann das Blut viel leichter bis in die feinsten Kapillaren und Zellzwischenräume strömen, so dass letztlich alle Körpergewebe deutlich besser mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgt werden können.
Allerdings ist gerade wegen der o. g. — an sich wünschenswerten — Auswirkungen von OPC auf die Fließfähigkeit des Blutes Vorsicht geboten, wenn gleichzeitig blutverdünnende Medikamente eingenommen werden.
OPC und chronische Entzündungen
Oxidativer Stress und chronische Entzündungsprozesse stehen mit vielen Erkrankungen in Verbindung. OPC werden entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben, da sie verschiedene Signalwege des Immunsystems beeinflussen können. So wurde in experimentellen Studien unter anderem beobachtet, dass OPC die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe wie TNF-α, IL-1β oder NF-κB modulieren können. Zudem gibt es Hinweise auf eine Hemmung bestimmter entzündungsfördernder Enzyme, darunter v. a. die Hyaluronidase.
Desweiteren existieren experimentelle Hinweise darauf, dass OPC auch allergische Reaktionen abmildern könnten. Dies wird damit erklärt, dass die Mastzellen, die überall im Körper auf der Lauer liegen und im Falle einer allergischen Reaktion große Mengen an Histamin freisetzen, durch das o. g. Enzym Hyaluronidase „angegriffen” werden. Für eine eindeutige therapeutische Empfehlung fehlen bislang jedoch ausreichend große klinische Studien.
Akkermansia muciniphila: Schlüsselbakterium für eine gesunde Darmflora
Eine gesunde Darmflora beeinflusst weit mehr als nur die Verdauung. Sie spielt eine wichtige Rolle für Immunsystem, Stoffwechsel und das allgemeine Wohlbefinden. Besonders im Fokus der Forschung steht dabei das Darmbakterium akkermansia muciniphila. Dieses spezielle Bakterium lebt direkt in der Schleimschicht des Darms und unterstützt deren natürliche Erneuerung. Dadurch trägt akkermansia muciniphila dazu bei, die Darmbarriere zu stärken und den Darm widerstandsfähig zu halten. Eine stabile Darmschleimhaut ist wichtig, damit unerwünschte Stoffe nicht in den Blutkreislauf gelangen.
Studien zeigen, dass Menschen mit einer gesunden und vielfältigen Darmflora häufig höhere Mengen an Akkermansia muciniphila aufweisen. Niedrige Werte werden dagegen mit Übergewicht, Stoffwechselstörungen und einer geschwächten Darmbarriere in Verbindung gebracht.
Die gute Nachricht: Bestimmte Pflanzenstoffe können das Wachstum von akkermansia muciniphila fördern. Dazu gehören Polyphenole wie OPC aus Trauben. Da OPC den Dickdarm weitgehend unverändert erreichen, können sie dort gezielt auf die Darmflora wirken. Untersuchungen deuten darauf hin, dass OPC:
- nützliche Darmbakterien fördern.
- die Darmbarriere unterstützen.
- Entzündungsprozesse im Darm abmildern.
- die Bildung wertvoller kurzkettiger Fettsäuren fördern.
Kurzkettige Fettsäuren liefern den Darmzellen Energie und leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Erhalt einer gesunden Darmschleimhaut. Vor diesem Hintergrund werden OPC als potenzielle Unterstützung für akkermansia muciniphila und damit für eine gesunde Darmfunktion angesehen.
Warum OPC so wertvoll sind — Die 7 wichtigsten Vorteile
1.) Antioxidativer Schutz der Zellen
OPC zählen zu den stärksten bekannten pflanzlichen Antioxidantien. Sie können helfen, die Zellen vor oxidativen Schäden zu schützen und damit wichtige Körperfunktionen langfristig zu unterstützen. Und das tun sie auf ganz unterschiedlichen Gebieten.
2.) Unterstützung für Haut und Bindegewebe
Kollagen und Elastin sorgen für Spannkraft und Stabilität der Haut. Oxidativer Stress kann diese Strukturen angreifen und den natürlichen Alterungsprozess beschleunigen. OPC können dazu beitragen, Kollagenfasern zu schützen und das Hautbild langfristig zu unterstützen.
3.) Entzündungshemmende Eigenschaften
Viele moderne Beschwerden stehen mit stillen Entzündungsprozessen in Zusammenhang. Studien deuten darauf hin, dass OPC entzündliche Reaktionen im Körper regulieren können. Dadurch stabilisieren sie eine allgemeine gesundheitliche Balance.
4.) Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems
Auch die Gefäße profitieren von antioxidativem Schutz. Untersuchungen zeigen, dass OPC die Gefäßfunktion unterstützen und oxidativen Stress im Zusammenhang mit Cholesterin reduzieren können. Zudem kann die Durchblutung positiv beeinflusst werden.
5.) Unterstützung in hormonellen Phasen
Hormonelle Veränderungen – etwa im Verlauf des Menstruationszyklus oder während der Wechseljahre – sind oft mit einer erhöhten Belastung durch oxidativen Stress verbunden. Aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften werden OPC in diesem Zusammenhang häufig eine unterstützende Wirkung zugeschrieben.
6.) Schutz empfindlicher Augenstrukturen
Die Augen sind besonders anfällig für oxidative Belastungen. Antioxidative Pflanzenstoffe können helfen, empfindliche Zellstrukturen vor freien Radikalen zu schützen.
7.) Unterstützung bei Allergien
OPC werden mit antihistaminähnlichen Eigenschaften in Verbindung gebracht. Forschungen zeigen, dass bestimmte entzündungsfördernde Prozesse gehemmt werden können, die an allergischen Reaktionen beteiligt sind. Dadurch könnten allergische Beschwerden abgeschwächt werden.
Fazit: OPC ermöglichen eine vielfältige antioxidative Unterstützung für jeden Tag
Die antioxidativen und vielseitigen Eigenschaften von OPC unterstützen unseren Körper in ganz unterschiedlichen Bereichen: von Zellschutz und Hautgesundheit bis hin zu Herz-Kreislauf-System und Darmflora.
Besonders spannend ist dabei die Verbindung zwischen OPC und Darmgesundheit. Moderne Forschungen zeigen immer deutlicher, wie eng die Darmflora, das Immunsystem und der Stoffwechsel miteinander verbunden sind. Pflanzenstoffe wie OPC können hier einen wertvollen Beitrag leisten.
Anhang A: Fachliteratur zum Thema OPC
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