Fluoridfreie Zahnpasta mit Hydroxylapatit war in einer randomisierten Doppelblindstudie der Fluorid-Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid nicht unterlegen
Dental Karies bleibt weltweit eines der häufigsten Gesundheitsprobleme. Sie betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene – oft über viele Jahre hinweg. Die hier ausgewertete klinische Studie untersuchte deshalb eine besonders praxisnahe Frage: Kann eine fluoridfreie Zahnpasta mit Hydroxylapatit Karies bei Erwachsenen ähnlich gut vorbeugen wie eine klassische Fluorid-Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid?
Das Ergebnis ist deutlich: Nach 18 Monaten zeigte sich die Hydroxylapatit-Zahnpasta in der Kariesprävention nicht schlechter als die Fluorid-Zahnpasta. In der Per-Protokoll-Analyse hatten 89,3 % der Personen in der Hydroxylapatit-Gruppe keinen Anstieg des DMFS-Kariesindex. In der Fluorid-Gruppe waren es 87,4 %. Damit wurde das Studienziel erreicht: Hydroxylapatit erwies sich als sicherer und wirksamer Anti-Karies-Wirkstoff in der täglichen Mundpflege.
Relevanz: Warum Kariesprävention auch bei Erwachsenen wichtig bleibt
Karies ist kein reines Kinderproblem. Auch Erwachsene können neue kariöse Läsionen entwickeln – besonders an Zahnzwischenräumen, Füllungsrändern, freiliegenden Zahnhälsen oder bereits vorgeschädigten Zahnflächen. Das Risiko steigt unter anderem durch häufigen Zuckerkonsum, unzureichende Plaquekontrolle, Mundtrockenheit, bestimmte Medikamente oder eine ungünstige Mundhygiene.
Die tägliche Zahnpflege ist deshalb ein zentraler Baustein der Prävention. Zahnpasta soll nicht nur reinigen, sondern den Zahnschmelz gegen Säureangriffe widerstandsfähiger machen. Lange Zeit stand dabei vor allem Fluorid im Mittelpunkt. Die vorliegende Studie zeigt nun, dass Hydroxylapatit eine wissenschaftlich belegte Alternative sein kann – insbesondere für Menschen, die eine fluoridfreie Zahnpflege bevorzugen oder ihren Fluoridkontakt reduzieren möchten.
Hydroxylapatit ist dabei kein körperfremder Stoff. Es handelt sich um ein Calciumphosphat-Mineral, das natürlicherweise die mineralische Hauptkomponente von Zähnen und Knochen bildet. Genau dieser biomimetische Ansatz – also die Orientierung an körpereigenen Strukturen – macht Hydroxylapatit für die Zahnpflege besonders interessant.
Hintergrund: Was ist Hydroxylapatit?
Hydroxylapatit, chemisch Ca₅(PO₄)₃(OH), ist ein Mineral aus Calcium, Phosphat und Hydroxid. Es bildet den wesentlichen mineralischen Anteil des Zahnschmelzes und Dentins. In Zahnpasten wird synthetisch hergestelltes, partikuläres Hydroxylapatit eingesetzt. Es soll sich an Zahnoberflächen anlagern, mikroskopisch kleine Defekte auffüllen und die Remineralisation unterstützen.
Die Studie beschreibt mehrere relevante Wirkmechanismen:
Hydroxylapatit kann zur Remineralisation beginnender Zahnschäden beitragen. Das bedeutet: Mineralverluste, die durch Säureangriffe entstehen, können teilweise wieder ausgeglichen werden.
Hydroxylapatit kann die Demineralisation hemmen. Der Zahnschmelz verliert dadurch unter säurebildenden Bedingungen weniger Mineralien.
Hydroxylapatit kann Calcium- und Phosphationen bereitstellen. Diese Mineralien sind für die Stabilität des Zahnschmelzes zentral.
Hydroxylapatit besitzt eine hohe Biokompatibilität. Die Studienautoren betonen die gute Verträglichkeit und Sicherheit dieses Wirkstoffs.
Diese Eigenschaften machen Hydroxylapatit zu einem sinnvollen Kandidaten für die tägliche Kariesprophylaxe – nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern, wie diese Studie zeigt, auch bei Erwachsenen.
Problemstellung: Warum wurde diese Studie durchgeführt?
Vor dieser Untersuchung gab es bereits klinische Studien, die Hydroxylapatit-Zahnpasten bei Kindern und Jugendlichen untersuchten. Eine Studie zeigte die Nicht-Unterlegenheit gegenüber einer Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid bei Kindern. Eine weitere Studie zeigte die Nicht-Unterlegenheit gegenüber einer fluoridhaltigen Zahnpasta bei Jugendlichen mit kieferorthopädischer Behandlung.
Was jedoch fehlte, war eine große, langfristige klinische Untersuchung bei Erwachsenen.
Genau diese Lücke adressierte die Studie von Paszynska et al. Die zentrale Forschungsfrage lautete:
Kann eine fluoridfreie Zahnpasta mit 10 % Hydroxylapatit bei Erwachsenen über 18 Monate Karies ebenso wirksam vorbeugen wie eine Zahnpasta mit 1.450 ppm Natriumfluorid?
Wichtig ist: Die beiden Zahnpasten unterschieden sich im Wesentlichen nur im aktiven Wirkstoff. Die Testzahnpasta enthielt 10 % Hydroxylapatit, die Kontrollzahnpasta Natriumfluorid mit 1.450 ppm Fluorid. Dadurch konnte der direkte Vergleich zwischen Hydroxylapatit und Fluorid besonders sauber untersucht werden.
Studiendesign: Hochwertige klinische Prüfung über 18 Monate
Die Studie war methodisch stark aufgebaut:
Es handelte sich um eine randomisierte, doppelblinde, aktiv kontrollierte klinische Studie mit zwei parallelen Gruppen.
„Randomisiert“ bedeutet, dass die Teilnehmenden zufällig einer der beiden Gruppen zugeteilt wurden.
„Doppelblind“ bedeutet, dass weder die Teilnehmenden noch die untersuchenden Personen wussten, welche Zahnpasta verwendet wurde.
„Aktiv kontrolliert“ bedeutet, dass die Hydroxylapatit-Zahnpasta nicht gegen eine wirkstofffreie Placebo-Zahnpasta, sondern gegen eine etablierte Fluorid-Zahnpasta verglichen wurde.
Die Studiendauer betrug 18 Monate. Das ist für eine Kariesstudie relevant, weil Kariesentwicklung Zeit benötigt und kurzfristige Untersuchungen oft nur begrenzt aussagekräftig sind.
Die Untersuchung wurde an zwei universitären Studienzentren in Polen durchgeführt: an der Poznan University of Medical Sciences und an der Medical University of Bialystok.
Teilnehmende: Erwachsene zwischen 18 und 45 Jahren
Insgesamt wurden 194 Erwachsene in die Studie eingeschlossen. Je 97 Personen wurden der Hydroxylapatit-Gruppe beziehungsweise der Fluorid-Gruppe zugeteilt.
Für die Auswertung wurden zwei Analysegruppen verwendet:
Die Intention-to-treat-Analyse umfasste 189 Personen. Dabei werden möglichst alle Personen berücksichtigt, die mindestens eine Nachuntersuchung absolviert haben.
Die Per-Protokoll-Analyse umfasste 171 Personen. Diese Auswertung berücksichtigt diejenigen, die die Studie weitgehend gemäß Prüfplan abgeschlossen haben.
Die Per-Protokoll-Gruppe bestand aus 114 Frauen und 57 Männern. Das Durchschnittsalter lag bei rund 23 Jahren. Die Gruppen unterschieden sich in Alter, Geschlecht, Gewicht und Größe nicht signifikant voneinander.
Anwendung der Zahnpasten im Alltag
Die Anwendung war alltagsnah, aber standardisiert:
Die Teilnehmenden putzten zweimal täglich – morgens und abends nach den Mahlzeiten.
Jede Putzepisode dauerte 3 Minuten.
Alle Teilnehmenden verwendeten eine elektrische Zahnbürste.
Die Bürstenköpfe wurden alle 2 Monate gewechselt.
Andere fluorid- oder hydroxylapatithaltige Mundpflegeprodukte, wie Mundspülungen, Gele oder Supplemente, waren während der Studie nicht erlaubt.
Diese Standardisierung ist wichtig, weil sie verhindert, dass zusätzliche Wirkstoffe das Ergebnis verfälschen.
Zusammensetzung der Testzahnpasta
Die Hydroxylapatit-Testzahnpasta war fluoridfrei und enthielt unter anderem:
10 % Hydroxylapatit, Xylitol, hydratisierte Kieselsäure, Glycerin, Cellulose Gum und weitere übliche Zahnpastabestandteile.
Die Fluorid-Kontrollzahnpasta enthielt statt Hydroxylapatit:
Natriumfluorid mit 1.450 ppm Fluorid.
Alle weiteren Bestandteile waren weitgehend identisch. Das ist ein großer Vorteil des Studiendesigns, weil dadurch der Unterschied zwischen den Gruppen vor allem auf den aktiven Wirkstoff zurückgeführt werden kann.
Studienziel: Nachweis der Nicht-Unterlegenheit
Das Ziel war nicht, zu zeigen, dass Hydroxylapatit „besser“ ist als Fluorid. Das Ziel war, zu prüfen, ob Hydroxylapatit nicht schlechter ist als die etablierte Fluorid-Zahnpasta.
Dafür wurde ein sogenanntes Nicht-Unterlegenheitsdesign verwendet. Dieses Studiendesign ist besonders geeignet, wenn eine neue oder alternative Anwendung mit einer bewährten Standardanwendung verglichen werden soll.
Die Nicht-Unterlegenheitsgrenze wurde auf 20 % festgelegt. Das bedeutet: Die Hydroxylapatit-Zahnpasta durfte in der Kariesprävention nicht relevant schlechter abschneiden als die Fluorid-Zahnpasta.
Primärer Endpunkt: DMFS-Kariesindex
Der wichtigste Studienendpunkt war der Anteil der Personen, bei denen sich der DMFS-Index über 18 Monate nicht erhöhte.
DMFS steht für:
D = Decayed, also kariöse Zahnflächen
M = Missing, also wegen Karies fehlende Zahnflächen beziehungsweise Zähne
F = Filled, also gefüllte Zahnflächen
S = Surfaces, also Zahnflächen
Der DMFS-Index ist ein etablierter Messwert in der Kariesforschung. Er bewertet nicht nur einzelne Zähne, sondern einzelne Zahnflächen. Dadurch ist er genauer als eine reine Zahnzählung.
Ein „kein Anstieg“ des DMFS-Index bedeutet: Es kam über den Studienzeitraum zu keiner messbaren Zunahme kariöser, gefüllter oder wegen Karies verlorener Zahnflächen.
Zentrales Ergebnis: Hydroxylapatit schützt ähnlich gut wie Fluorid
Nach 18 Monaten zeigte sich in der Per-Protokoll-Analyse:
In der Hydroxylapatit-Gruppe hatten 89,29 % der Personen keinen Anstieg des DMFS-Index.
In der Fluorid-Gruppe hatten 87,36 % der Personen keinen Anstieg des DMFS-Index.
Damit schnitt die Hydroxylapatit-Gruppe numerisch sogar leicht besser ab. Dieser Unterschied war jedoch nicht als Überlegenheit zu interpretieren, da die Konfidenzintervalle eine statistische Überlegenheit nicht belegten.
Entscheidend ist: Die Hydroxylapatit-Zahnpasta erfüllte klar das Kriterium der Nicht-Unterlegenheit gegenüber der Fluorid-Zahnpasta.
Auch in der Intention-to-treat-Analyse bestätigte sich das Ergebnis:
90,43 % ohne DMFS-Anstieg in der Hydroxylapatit-Gruppe
88,42 % ohne DMFS-Anstieg in der Fluorid-Gruppe
Damit zeigte sich das Ergebnis stabil in beiden Auswertungsarten.
Besonders interessant: Sehr geringer DMFS-Anstieg in der Hydroxylapatit-Gruppe
Die Studie berichtet auch die mittlere Veränderung des DMFS-Index von Beginn bis Studienende.
Nach 18 Monaten betrug die mittlere Veränderung:
Hydroxylapatit-Gruppe: +0,02 DMFS
Fluorid-Gruppe: +0,31 DMFS
Das bedeutet: In der Hydroxylapatit-Gruppe blieb der DMFS-Wert über 18 Monate praktisch stabil. In der Fluorid-Gruppe war ein kleiner Anstieg messbar.
Auch hier gilt: Die Studie weist keine statistische Überlegenheit von Hydroxylapatit nach. Dennoch ist dieser numerische Befund positiv und unterstützt die Schlussfolgerung, dass Hydroxylapatit eine sehr überzeugende Rolle in der Kariesprävention spielen kann.
Sekundärer Endpunkt: DIAGNOcam bestätigt die Ergebnisse
Neben dem DMFS-Index verwendeten die Forschenden auch die DIAGNOcam. Dabei handelt es sich um ein Verfahren der Nahinfrarot-Transillumination. Es kann kariöse Veränderungen sichtbar machen, ohne Röntgenstrahlung einzusetzen.
Die DIAGNOcam-Befunde wurden in drei Stufen eingeteilt:
0 = unveränderte Lichtdurchlässigkeit
1 = Schatten im Zahnschmelz sichtbar
2 = Schatten im Dentin sichtbar
Auch hier zeigte sich: Die Hydroxylapatit-Zahnpasta war der Fluorid-Zahnpasta nicht unterlegen.
Der Anteil der Personen ohne Zunahme der mit DIAGNOcam erfassten kariösen Läsionen betrug:
60,71 % in der Hydroxylapatit-Gruppe
57,47 % in der Fluorid-Gruppe
Auch dieser sekundäre Endpunkt unterstützt die zentrale Aussage der Studie: Hydroxylapatit kann Kariesentwicklung im Alltag wirksam begrenzen.
Plaque Control Record: Plaquewerte verbesserten sich in beiden Gruppen
Als weiterer sekundärer Endpunkt wurde der Plaque Control Record untersucht. Dieser Wert beschreibt, wie viele Zahnflächen mit Plaque bedeckt sind.
Plaque ist ein zentraler Faktor bei der Kariesentstehung. Bakterien im Zahnbelag verstoffwechseln Zucker und bilden Säuren. Diese Säuren greifen den Zahnschmelz an und können langfristig zu Karies führen.
In beiden Gruppen verbesserten sich die Plaquewerte im Laufe der Studie. Das ist plausibel, weil alle Teilnehmenden eine elektrische Zahnbürste verwendeten, regelmäßig kontrolliert wurden und bei Bedarf Hinweise zur besseren Putztechnik erhielten.
Zwischen Hydroxylapatit- und Fluorid-Zahnpasta gab es beim Plaque-Endpunkt keinen signifikanten Unterschied. Die Autoren erwähnen jedoch eine interessante Tendenz: Hydroxylapatit könnte die bakterielle Erstbesiedlung auf Zahnoberflächen beeinflussen. Diese Beobachtung passt zu früheren Untersuchungen mit Hydroxylapatit-Mundspülungen, in denen eine reduzierte bakterielle Anlagerung beschrieben wurde.
Sicherheit: Keine schweren unerwünschten Ereignisse
Ein wichtiger Punkt für die tägliche Anwendung ist die Sicherheit.
Alle 194 randomisierten Teilnehmenden wurden in die Sicherheitsanalyse eingeschlossen. Es wurden keine schwerwiegenden und keine schweren unerwünschten Ereignisse berichtet.
Bei fast allen unerwünschten Ereignissen wurde ein Zusammenhang mit der Zahnpasta als „unwahrscheinlich“ bewertet.
Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass Hydroxylapatit in der Mundpflege ein sicherer Wirkstoff ist.
Das ist besonders relevant, weil Zahnpasta im Alltag täglich verwendet wird und geringe Mengen versehentlich verschluckt werden können. Hydroxylapatit gilt als biokompatibel und wird von den Autoren als sicherer Inhaltsstoff hervorgehoben.
Bedeutung für die Praxis: Warum Hydroxylapatit-Zahnpasta sinnvoll sein kann
Die Ergebnisse liefern ein starkes Argument für den Einsatz von Hydroxylapatit in der täglichen Zahnpflege.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das:
Eine fluoridfreie Zahnpasta mit Hydroxylapatit kann eine wissenschaftlich untersuchte Option zur Kariesprävention sein.
Hydroxylapatit orientiert sich an der natürlichen Mineralstruktur der Zähne.
Die Studie zeigt eine vergleichbare Schutzwirkung gegenüber einer Fluorid-Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid.
Die Anwendung war alltagsnah: zweimal täglich putzen, über 18 Monate.
Die Verträglichkeit war gut.
Besonders interessant ist Hydroxylapatit für Menschen, die bewusst eine fluoridfreie Zahnpflege bevorzugen, aber dennoch einen nachweislich kariespräventiven Wirkstoff nutzen möchten.
Einordnung: Hydroxylapatit als biomimetischer Wirkstoff
Der Begriff „biomimetisch“ bedeutet, dass ein Wirkstoff natürliche Strukturen oder Prozesse nachahmt. Hydroxylapatit ist dafür ein gutes Beispiel, weil der Zahnschmelz selbst überwiegend aus apatithaltigen Mineralstrukturen besteht.
Während Fluorid vor allem über die Förderung fluoridierter Mineralphasen und die Hemmung von Demineralisation wirkt, verfolgt Hydroxylapatit einen anderen Ansatz: Es liefert zahnnahes Calciumphosphat-Material, das sich an Zahnoberflächen anlagern und mikroskopische Defekte unterstützen kann.
Das macht Hydroxylapatit nicht zu einem „Wellness-Trend“, sondern zu einem Wirkstoff mit plausibler biologischer Grundlage und wachsender klinischer Evidenz.
Stärken der Studie
Die Studie besitzt mehrere wichtige Stärken:
Sie war randomisiert, doppelblind und aktiv kontrolliert.
Die Studiendauer von 18 Monaten ist für eine Kariespräventionsstudie aussagekräftig.
Die Kontrollzahnpasta enthielt mit 1.450 ppm Fluorid eine etablierte Standardkonzentration für Erwachsene.
Die Zahnpasten unterschieden sich hauptsächlich im aktiven Wirkstoff, wodurch ein fairer Vergleich möglich war.
Neben dem klassischen DMFS-Index wurde zusätzlich DIAGNOcam eingesetzt.
Die Anwendung erfolgte unter realitätsnahen Bedingungen ohne spezielle Ernährungsvorgaben.
Gerade der direkte Vergleich zwischen 10 % Hydroxylapatit und 1.450 ppm Fluorid macht die Studie für die praktische Mundpflege sehr relevant.
Einschränkungen der Studie
Wie jede klinische Studie hat auch diese Untersuchung Grenzen.
Die Teilnehmenden waren überwiegend junge, gesunde Erwachsene. Das Durchschnittsalter lag bei etwa 23 Jahren. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht automatisch auf ältere Menschen, Personen mit stark erhöhtem Kariesrisiko oder Menschen mit ausgeprägter Mundtrockenheit übertragen.
Außerdem fanden regelmäßige zahnärztliche Kontrolltermine statt. Das entspricht nicht bei allen Menschen dem Alltag. Die zusätzliche Betreuung könnte insgesamt zu einer besseren Mundhygiene beigetragen haben.
Ein weiterer Punkt: Die Studie wurde unter anderem von Dr. Kurt Wolff GmbH & Co. KG finanziert, und einige Autoren waren bei diesem Unternehmen beschäftigt. Das wird in der Publikation transparent offengelegt. Diese Information schmälert nicht automatisch die Aussagekraft, sollte aber bei der Einordnung berücksichtigt werden.
Lokaler Kontext: Für wen sind die Ergebnisse besonders interessant?
Die Ergebnisse sind besonders relevant für Erwachsene, die ihre Kariesprophylaxe verbessern möchten und täglich eine wirksame Zahnpasta einsetzen wollen.
Sie sind außerdem interessant für Menschen, die Fluorid vermeiden oder reduzieren möchten, ohne auf einen wissenschaftlich untersuchten Anti-Karies-Wirkstoff zu verzichten.
Auch für Personen mit empfindlichen Zähnen kann Hydroxylapatit spannend sein, da andere klinische Studien laut Einleitung der Publikation positive Effekte bei Dentinhypersensibilität zeigen. Die vorliegende Studie selbst untersuchte jedoch primär Kariesprävention, nicht Schmerzempfindlichkeit.
Für Kinder und Jugendliche verweist die Publikation auf frühere Untersuchungen, in denen Hydroxylapatit ebenfalls positive Ergebnisse zeigte. Die hier ausgewertete Studie ergänzt diese Evidenz nun um Daten bei Erwachsenen.
SEO-Zusammenfassung: Hydroxylapatit-Zahnpasta gegen Karies
Die Studie liefert eine klare Botschaft für die moderne Mundpflege:
Hydroxylapatit-Zahnpasta kann Karies bei Erwachsenen wirksam vorbeugen.
In einer 18-monatigen, doppelblinden, randomisierten klinischen Studie war eine fluoridfreie Zahnpasta mit 10 % Hydroxylapatit einer Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid nicht unterlegen.
Die wichtigsten Ergebnisse:
89,3 % der Personen in der Hydroxylapatit-Gruppe zeigten keinen DMFS-Anstieg.
87,4 % der Personen in der Fluorid-Gruppe zeigten keinen DMFS-Anstieg.
Die DIAGNOcam-Analyse bestätigte die Nicht-Unterlegenheit.
Es traten keine schweren oder schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.
Hydroxylapatit wurde als sicherer und effizienter Anti-Karies-Wirkstoff bewertet.
Damit unterstützt die Studie den Einsatz von Hydroxylapatit als sinnvolle, wissenschaftlich untersuchte Alternative in der täglichen Zahnpflege.
Fazit: Hydroxylapatit überzeugt als fluoridfreie Anti-Karies-Option
Die 18-monatige klinische Studie zeigt überzeugend, dass eine Zahnpasta mit Hydroxylapatit bei Erwachsenen eine wirksame Kariesprophylaxe bieten kann. Sie war der klassischen Fluorid-Zahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid nicht unterlegen und zeigte eine sehr gute Verträglichkeit.
Für die Praxis bedeutet das: Wer seine Zähne täglich schützen möchte, kann mit einer Hydroxylapatit-Zahnpasta einen wissenschaftlich fundierten Ansatz wählen. Besonders für Menschen, die eine fluoridfreie Zahnpasta bevorzugen, ist Hydroxylapatit eine vielversprechende Option – mit einem Wirkprinzip, das sich an der natürlichen Mineralstruktur des Zahns orientiert.
Die Studie stärkt damit die Rolle von Hydroxylapatit als modernen, biomimetischen Wirkstoff in der Mundpflege und zeigt: Effektive Kariesprävention muss nicht zwangsläufig fluoridbasiert sein.
Quelle:
Front. Public Health, 18 July 2023
Sec. Infectious Diseases: Epidemiology and Prevention
Volume 11 – 2023 | https://doi.org/10.3389/fpubh.2023.1199728