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NAD, NADH, NR und NMN: Was sagt die Studienlage zu Wirkung und Sicherheit?

Felix Henrichs
NAD, NADH, NR und NMN: Was sagt die Studienlage zu Wirkung und Sicherheit?
Inhalt

    Eine systematische Übersichtsarbeit mit 10 randomisierten klinischen Studien deutet darauf hin, dass NADH und NAD-Vorstufen meist gut verträglich sind. Für einzelne Stoffwechsel-, Erschöpfungs- und Altersparameter zeigen sich positive Signale – belastbare Aussagen zu konkreten Erkrankungen sind jedoch noch nicht möglich.

    Warum ist das Thema wichtig?

    NAD, NADH, Nicotinamid-Ribosid und NMN gehören zu den derzeit besonders häufig diskutierten Stoffen im Bereich Energie, Zellstoffwechsel und gesundes Altern.

    Viele Nahrungsergänzungsmittel werben damit, die körpereigene NAD-Versorgung zu unterstützen. Teilweise werden damit weitreichende Erwartungen verbunden: mehr Energie, eine bessere körperliche Leistungsfähigkeit, ein gesünderer Stoffwechsel oder sogar Vorteile für das Gehirn.

    Solche Aussagen klingen attraktiv. Wissenschaftlich entscheidend ist jedoch eine andere Frage:

    Was wurde tatsächlich in kontrollierten Humanstudien nachgewiesen?

    Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 hat genau diese Frage untersucht. Die Autoren werteten 10 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 489 Teilnehmern aus. Untersucht wurden verschiedene Formen von NAD und NAD-Vorstufen bei unterschiedlichen Personengruppen – darunter gesunde Erwachsene, ältere Menschen, Personen mit Übergewicht, Frauen mit Prädiabetes sowie Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom, Parkinson oder Alzheimer.

    Die Arbeit liefert damit einen breiten Überblick über die bisherige klinische Forschung. Gleichzeitig zeigt sie, wie uneinheitlich die Studienlage noch ist.


    Hintergrund: Was sind NAD, NADH, NR und NMN?

    Was ist NAD?

    NAD steht für Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid. Es handelt sich um ein Coenzym, das in praktisch allen Körperzellen vorkommt.

    Ein Coenzym ist ein Hilfsstoff, den Enzyme benötigen, um bestimmte biochemische Reaktionen durchzuführen. NAD ist unter anderem beteiligt an:

    • der zellulären Energiegewinnung,
    • dem Stoffwechsel von Kohlenhydraten und Fetten,
    • der Bildung von ATP,
    • der DNA-Reparatur,
    • der Regulation bestimmter Gene,
    • der Funktion von Signalwegen innerhalb der Zelle.

    ATP ist der wichtigste kurzfristige Energieträger der Zellen. Vereinfacht gesagt hilft NAD dabei, Energie aus Nährstoffen in eine Form zu überführen, die der Körper unmittelbar nutzen kann.

    NAD+ und NADH: zwei Formen desselben Systems

    NAD liegt im Körper in zwei eng miteinander verbundenen Formen vor:

    • NAD+ ist die oxidierte Form.
    • NADH ist die reduzierte Form.

    NAD+ kann Elektronen aufnehmen und wird dadurch zu NADH. NADH kann diese Elektronen wiederum an andere Stoffwechselwege weitergeben.

    Dieses Wechselspiel ist für die Energieproduktion in den Mitochondrien besonders wichtig. Mitochondrien werden häufig als „Kraftwerke der Zelle“ bezeichnet, weil dort ein großer Teil des ATP gebildet wird.

    Was sind NR und NMN?

    Da NAD selbst nicht immer effizient über Nahrungsergänzungsmittel verfügbar gemacht werden kann, werden häufig sogenannte NAD-Vorstufen eingesetzt.

    Dazu gehören insbesondere:

    • Nicotinamid-Ribosid, kurz NR
    • Nicotinamid-Mononukleotid, kurz NMN
    • Nicotinamid, kurz NAM
    • Nicotinsäure, kurz NA

    Der Körper kann diese Stoffe in mehreren Schritten zur Bildung von NAD nutzen.

    NR und NMN werden deshalb oft als „NAD-Booster“ bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch eher marketingorientiert. Wissenschaftlich genauer ist die Bezeichnung NAD-Vorstufe.

    Nimmt NAD mit dem Alter ab?

    Die Autoren der Übersichtsarbeit beschreiben, dass NAD-Spiegel und die Aktivität bestimmter NAD-Stoffwechselwege mit zunehmendem Alter abnehmen können.

    Dieser Rückgang wird in der Forschung mit verschiedenen altersbedingten Veränderungen in Verbindung gebracht, darunter:

    • geringere mitochondriale Aktivität,
    • veränderte Immunfunktionen,
    • chronische Entzündungsprozesse,
    • Störungen des Energiestoffwechsels,
    • eingeschränkte Reparaturmechanismen der Zellen.

    Wichtig ist jedoch: Ein Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass eine Nahrungsergänzung diese Prozesse verhindert oder behandelt.

    Dass NAD-Spiegel im Alter sinken können, belegt noch nicht, dass eine zusätzliche Einnahme von NAD, NR oder NMN einen klaren gesundheitlichen Nutzen hat. Genau deshalb sind kontrollierte Humanstudien notwendig.


    Ziel der Studie

    Die systematische Übersichtsarbeit sollte untersuchen, ob oral eingenommenes NAD, NADH und verschiedene NAD-Vorstufen beim Menschen:

    • sicher sind,
    • gut vertragen werden,
    • messbare gesundheitliche Effekte zeigen,
    • unerwünschte Wirkungen verursachen,
    • bei bestimmten klinischen Zuständen von Nutzen sein könnten.

    Die Autoren schlossen ausschließlich randomisierte kontrollierte Studien beziehungsweise randomisierte klinische Studien ein.

    Tierstudien, Zellstudien und nicht kontrollierte Untersuchungen wurden für die eigentliche Auswertung ausgeschlossen.

    Damit bezieht sich der zentrale Ergebnisteil ausdrücklich auf Humanstudien.


    Studiendesign

    Studientyp:
    Systematische Übersichtsarbeit randomisierter klinischer Studien

    Anzahl der eingeschlossenen Studien:
    10 Studien

    Gesamtzahl der Teilnehmer:
    489 Personen

    Untersuchte Substanzen:
    NADH, Nicotinamid-Ribosid, NMN, Nicotinamid und Nicotinsäure

    Untersuchte Personengruppen:
    Gesunde Erwachsene, ältere Menschen, Personen mit Übergewicht, Frauen mit Prädiabetes sowie Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom, Parkinson oder Alzheimer

    Studiendauer:
    Je nach Untersuchung etwa 30 bis 180 Tage

    Dosierungen:
    Je nach Substanz und Studie zwischen 4 und 1.000 mg täglich

    Verabreichung:
    Oral, meist als Kapsel, Tablette oder Pulver

    Vergleich:
    In der Regel Placebo

    Primäre Endpunkte:
    Sicherheit, Verträglichkeit, Nebenwirkungen und je nach Studie unterschiedliche klinische oder stoffwechselbezogene Messwerte

    Bewertung der Studienqualität:
    Cochrane Risk of Bias Tool 2.0


    Welche Studien wurden eingeschlossen?

    Die eingeschlossenen Untersuchungen waren sehr unterschiedlich aufgebaut.

    NADH

    Drei Studien untersuchten NADH bei:

    • chronischem Erschöpfungssyndrom,
    • Alzheimer-Krankheit.

    Die verwendeten Dosierungen lagen je nach Studie bei 5, 10 oder 20 mg täglich. In der Tabelle der Übersichtsarbeit wird für eine Untersuchung bei chronischem Erschöpfungssyndrom eine Gesamtdosis von 20 mg pro Tag angegeben.

    Die Studiendauer lag zwischen 48 Tagen und sechs Monaten.

    Nicotinamid-Ribosid

    Vier Studien untersuchten NR bei:

    • Parkinson-Krankheit,
    • gesunden Erwachsenen mittleren und höheren Alters,
    • Männern mit Adipositas,
    • gesunden übergewichtigen Erwachsenen.

    Die Dosierungen reichten von 100 bis 1.000 mg täglich.

    Die Studiendauer betrug etwa 30 bis 56 Tage.

    Nicotinamid-Mononukleotid

    Zwei Studien untersuchten NMN bei:

    • älteren Erwachsenen,
    • übergewichtigen oder adipösen Frauen nach der Menopause mit Prädiabetes.

    In beiden Studien wurden 250 mg NMN täglich eingesetzt.

    Die Studiendauer lag bei 48 beziehungsweise 56 Tagen.

    Nicotinamid und Nicotinsäure

    Eine kleine Studie untersuchte eine Kombination aus:

    • 4 mg Nicotinsäure,
    • 200 mg Nicotinamid.

    Teilgenommen hatten körperlich eingeschränkte ältere Erwachsene. Die Einnahme erfolgte über 32 Tage.


    Ergebnisse der Studie

    Zentrales Ergebnis: Gute Verträglichkeit, aber uneinheitliche Wirksamkeit

    Insgesamt kamen die Autoren zu dem Schluss, dass NADH und NAD-Vorstufen in den untersuchten Dosierungen überwiegend gut vertragen wurden.

    Schwere unerwünschte Ereignisse, die eindeutig durch die Präparate verursacht wurden, wurden in den ausgewerteten Studien nicht berichtet.

    Gleichzeitig war die Wirksamkeit sehr unterschiedlich. Einige Studien zeigten positive Veränderungen, andere fanden keine relevanten Effekte.

    Eine gemeinsame Gesamtbewertung war schwierig, weil:

    • unterschiedliche Substanzen untersucht wurden,
    • die Dosierungen stark variierten,
    • die Teilnehmer sehr verschiedene Gesundheitszustände hatten,
    • unterschiedliche Endpunkte gemessen wurden,
    • die Stichproben häufig klein waren.

    Die Autoren konnten deshalb keine Meta-Analyse durchführen.


    Ergebnisse zu NADH bei chronischem Erschöpfungssyndrom

    Zwei Studien untersuchten NADH bei Menschen mit chronischem Erschöpfungssyndrom.

    Hinweise auf eine mögliche Verbesserung einzelner Symptome

    In einer kleinen Studie sprachen 8 von 26 Teilnehmern auf NADH an. In der Placebogruppe waren es 2 von 26.

    Das entspricht:

    • 31 Prozent unter NADH,
    • 8 Prozent unter Placebo.

    Als positives Ansprechen galten Verbesserungen bei:

    • Erschöpfung,
    • Symptombelastung,
    • Lebensqualität.

    Die Autoren dieser Einzelstudie betrachteten NADH deshalb als mögliche ergänzende Maßnahme.

    Nicht alle Messwerte verbesserten sich

    Eine weitere Studie berichtete unter NADH:

    • eine Verringerung von Angstwerten,
    • eine niedrigere maximale Herzfrequenz nach einem Belastungstest,
    • Veränderungen beim Verhältnis zwischen gemessener und theoretischer maximaler Herzfrequenz.

    Andere klinische Variablen und viele Parameter der Lebensqualität veränderten sich jedoch nicht signifikant.

    Das bedeutet: Es gab einzelne positive Signale, aber kein durchgehend überzeugendes Ergebnis.

    Einordnung

    Die Daten reichen nicht aus, um NADH als etablierte Behandlung des chronischen Erschöpfungssyndroms anzusehen.

    Die Studien waren klein, die Ergebnisse nicht vollständig einheitlich und teilweise wurden viele unterschiedliche Endpunkte ausgewertet.


    Ergebnisse zu NADH bei Alzheimer

    Eine kleine Studie mit 26 Patienten untersuchte stabilisiertes oral verfügbares NADH über sechs Monate.

    Die Teilnehmer der NADH-Gruppe erzielten nach Angaben der Übersichtsarbeit bessere Werte auf der Mattis Dementia Rating Scale als die Placebogruppe.

    Die Skala erfasst verschiedene kognitive Fähigkeiten.

    Positive Veränderungen wurden unter anderem beschrieben bei:

    • verbaler Flüssigkeit,
    • visuell-konstruktiven Fähigkeiten,
    • möglicherweise abstraktem sprachlichem Denken.

    Wichtige Einschränkungen

    Die Studie war klein und stammt aus dem Jahr 2004.

    In der Risikobewertung der Übersichtsarbeit wurde diese Untersuchung insgesamt als Studie mit hohem Verzerrungsrisiko eingestuft. Auf Seite 8 zeigt die grafische Risikobewertung insbesondere Probleme bei der Ergebnismessung und ein insgesamt hohes Bias-Risiko.

    Daher lässt sich aus dieser Untersuchung nicht ableiten, dass NADH Alzheimer behandelt oder das Fortschreiten der Erkrankung sicher verlangsamt.

    Die Ergebnisse sollten als frühes Forschungssignal verstanden werden.


    Ergebnisse zu Nicotinamid-Ribosid bei Parkinson

    Eine randomisierte Phase-I-Studie untersuchte 1.000 mg Nicotinamid-Ribosid täglich bei Menschen mit Parkinson.

    Phase-I-Studien dienen in erster Linie dazu, Sicherheit, Verträglichkeit und biologische Effekte zu untersuchen. Sie sind normalerweise nicht dafür ausgelegt, eine therapeutische Wirksamkeit abschließend zu belegen.

    Beobachtete Veränderungen

    Die Studie berichtete:

    • einen Anstieg der NAD-Konzentration im Gehirn bei einem Teil der Teilnehmer,
    • Veränderungen des zerebralen Stoffwechsels,
    • Veränderungen der Genaktivität in Blut- oder Muskelzellen,
    • eine Verringerung bestimmter Entzündungsbotenstoffe im Serum und in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.

    Die Autoren der Einzelstudie bezeichneten NR deshalb als möglichen Kandidaten für weitere neuroprotektive Forschung.

    Was daraus nicht folgt

    Die Untersuchung belegt nicht, dass NR Parkinson behandelt.

    Auch ein Anstieg von NAD im Gehirn bedeutet nicht automatisch, dass sich Symptome, Krankheitsverlauf oder Lebensqualität langfristig verbessern.

    Die Studie war klein und hatte vor allem explorativen Charakter.


    Ergebnisse zu Nicotinamid-Ribosid bei gesunden Erwachsenen

    Mehrere Studien untersuchten NR bei gesunden oder übergewichtigen Erwachsenen.

    NAD-Spiegel stiegen an

    Eine Studie zeigte, dass NR die NAD+-Konzentration im Vollblut dosisabhängig erhöhte.

    Untersucht wurden Dosierungen von:

    • 100 mg,
    • 300 mg,
    • 1.000 mg täglich.

    Der Anstieg war innerhalb von zwei Wochen messbar.

    Dies ist ein klarer biochemischer Effekt: NR kann den NAD-Stoffwechsel beim Menschen beeinflussen.

    Klinischer Nutzen bleibt offen

    Ein höherer NAD-Wert ist jedoch ein Laborparameter. Daraus folgt nicht automatisch ein spürbarer gesundheitlicher Vorteil.

    Die Studien zeigten nicht durchgehend Verbesserungen bei:

    • Leistungsfähigkeit,
    • Körperzusammensetzung,
    • Blutzuckerregulation,
    • mitochondrialer Funktion,
    • Muskelkraft.

    NR erhöhte also zwar in mehreren Untersuchungen NAD-bezogene Stoffwechselmarker, doch der praktische Nutzen blieb teilweise unklar.


    Ergebnisse zu Nicotinamid-Ribosid bei Übergewicht

    Bei Männern mit Adipositas wurden 1.000 mg NR täglich untersucht.

    Die Supplementierung hatte laut Übersichtsarbeit keine relevanten Effekte auf:

    • Nüchternblutzucker,
    • Blutzucker nach Glukosebelastung,
    • Insulin,
    • C-Peptid,
    • Glukagon,
    • GLP-1,
    • GIP,
    • LDL-Cholesterin,
    • Funktion der insulinproduzierenden Betazellen.

    Auch zirkulierende Adipsin- und Gallensäurewerte veränderten sich nicht wesentlich.

    Einordnung

    Für übergewichtige Männer ohne Diabetes zeigte NR in dieser Studie keinen klaren metabolischen Vorteil.

    Die Ergebnisse sprechen gegen die pauschale Annahme, dass eine Erhöhung des NAD-Stoffwechsels automatisch Blutzucker- oder Fettstoffwechsel verbessert.


    Ergebnisse zu NMN bei Frauen mit Prädiabetes

    Eine Studie untersuchte 250 mg NMN täglich bei übergewichtigen oder adipösen Frauen nach der Menopause mit Prädiabetes.

    Verbesserte Insulinsensitivität im Muskel

    Die Studie berichtete:

    • eine erhöhte Insulinsensitivität der Skelettmuskulatur,
    • Veränderungen in der Insulin-Signalübertragung,
    • Hinweise auf Umbauprozesse im Muskelgewebe.

    Diese Ergebnisse sind interessant, weil eine verminderte Insulinsensitivität ein zentrales Merkmal von Prädiabetes und Typ-2-Diabetes ist.

    Einschränkung

    Die Studie umfasste nur 25 Teilnehmerinnen.

    Außerdem zeigte sie nicht, dass NMN Diabetes verhindert, den Langzeitblutzucker senkt oder das Risiko diabetischer Folgeerkrankungen reduziert.

    Die Untersuchung liefert daher einen möglichen biologischen Hinweis, aber keinen Nachweis eines langfristigen gesundheitlichen Nutzens.


    Ergebnisse zu NMN bei älteren Erwachsenen

    Eine japanische Studie untersuchte 250 mg NMN täglich bei älteren Menschen mit selbstständiger Mobilität.

    Die Übersichtsarbeit berichtet Hinweise auf:

    • eine Verbesserung bestimmter Funktionen der unteren Extremitäten,
    • weniger Schläfrigkeit,
    • mögliche Vorteile bei Müdigkeit und körperlicher Leistungsfähigkeit.

    Zeitpunkt der Einnahme

    Die Autoren erwähnen, dass eine Einnahme am Nachmittag mit positiven Effekten auf bestimmte Messwerte verbunden gewesen sei.

    Diese Beobachtung ist interessant, sollte aber nicht als allgemeingültige Einnahmeempfehlung verstanden werden.

    Eine einzelne Studie kann nicht klären, ob der Einnahmezeitpunkt tatsächlich entscheidend ist.


    Ergebnisse zu Nicotinamid und Nicotinsäure bei älteren Menschen

    Eine kleine Studie mit nur 13 Teilnehmern untersuchte Nicotinsäure und Nicotinamid bei körperlich eingeschränkten älteren Erwachsenen.

    Die Nahrungsergänzung erhöhte beziehungsweise beeinflusste bestimmte Marker der mitochondrialen oxidativen Kapazität.

    Es wurde jedoch keine relevante Verbesserung festgestellt bei:

    • mitochondrialer Atmung,
    • Funktion der Skelettmuskulatur,
    • körperlicher Leistungsfähigkeit.

    Einordnung

    Die Ergebnisse zeigen erneut einen wichtigen Unterschied:

    Ein biochemischer Effekt ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem klinisch spürbaren Nutzen.


    Sicherheit und Nebenwirkungen

    Waren NADH, NR und NMN sicher?

    Insgesamt bewerteten die Autoren die untersuchten Präparate als überwiegend gut verträglich.

    Keine Studie berichtete schwerwiegende Gesundheitsrisiken, die eindeutig auf die Einnahme zurückgeführt wurden.

    Kein Teilnehmer musste laut Übersichtsarbeit wegen einer unerwünschten Wirkung dauerhaft aus einer Studie ausgeschlossen werden.

    Allerdings ist die Aussagekraft begrenzt:

    • Die Studien waren meist kurz.
    • Die Teilnehmerzahlen waren klein.
    • Nur drei der zehn Studien berichteten Nebenwirkungen ausführlicher.
    • Langzeitdaten fehlen weitgehend.

    „Gut verträglich“ bedeutet daher in diesem Zusammenhang vor allem: In den untersuchten Gruppen und über den jeweiligen Zeitraum wurden keine gravierenden Sicherheitsprobleme beobachtet.


    Gab es einen Zusammenhang zwischen Dosis und Nebenwirkungen?

    Ein klarer dosisabhängiger Zusammenhang konnte nicht festgestellt werden.

    In einer Studie wurden bis zu 1.000 mg NR täglich über acht Wochen gut vertragen. Es traten keine eindeutig dosisabhängigen Nebenwirkungen auf.

    Gleichzeitig wurden in einer anderen, kleineren NADH-Studie bereits bei deutlich niedrigerer Dosierung viele Beschwerden dokumentiert.

    Das spricht dafür, dass:

    • die untersuchte Personengruppe,
    • die Grunderkrankung,
    • die Art der Erfassung,
    • die untersuchte Substanz

    möglicherweise wichtiger waren als die reine Milligrammzahl.

    NADH, NR und NMN können außerdem nicht einfach gleichgesetzt werden. Es handelt sich um chemisch und metabolisch unterschiedliche Verbindungen.

     


    Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

    Was relativ gut belegt ist

    Die ausgewerteten Studien sprechen dafür, dass:

    • NR die NAD+-Konzentration im Blut erhöhen kann,
    • NR bei einzelnen Teilnehmern auch NAD-bezogene Werte im Gehirn beeinflussen kann,
    • NMN und NR kurzfristig meist gut verträglich sind,
    • schwerwiegende Nebenwirkungen in den untersuchten Studien nicht häufig waren,
    • NMN bei Frauen mit Prädiabetes die Insulinsensitivität im Muskel verbessern kann,
    • einzelne Studien positive Effekte auf Müdigkeit, Schlaf oder körperliche Funktionen beobachteten.

    Was noch nicht ausreichend belegt ist

    Nicht ausreichend belegt ist, dass NAD, NADH, NR oder NMN:

    • das Altern verlangsamen,
    • die Lebensdauer verlängern,
    • Alzheimer behandeln,
    • Parkinson behandeln,
    • chronisches Erschöpfungssyndrom zuverlässig verbessern,
    • Diabetes verhindern,
    • Körpergewicht reduzieren,
    • die allgemeine Leistungsfähigkeit deutlich steigern,
    • bei gesunden Menschen einen spürbaren Nutzen erzeugen.

    Bedeutung für die Praxis

    Für wen könnten die Ergebnisse interessant sein?

    Die Ergebnisse sind vor allem für folgende Gruppen wissenschaftlich interessant:

    • ältere Erwachsene,
    • Menschen mit altersbedingtem Rückgang körperlicher Leistungsfähigkeit,
    • Frauen nach der Menopause mit Prädiabetes,
    • Personen mit Interesse am NAD-Stoffwechsel,
    • Patienten mit neurologischen Erkrankungen im Rahmen klinischer Forschung.

     


    Welche Form ist am besten untersucht?

    In der Übersichtsarbeit war Nicotinamid-Ribosid die am häufigsten untersuchte einzelne NAD-Vorstufe.

    NR wurde in vier Studien geprüft.

    NMN wurde in zwei Studien untersucht.

    NADH wurde in drei Studien eingesetzt.

    Aus der Anzahl der Studien folgt jedoch nicht automatisch, dass NR wirksamer ist. Es bedeutet lediglich, dass zu NR in dieser Übersichtsarbeit mehr randomisierte klinische Untersuchungen vorlagen.


    Lässt sich aus einem höheren NAD-Spiegel ein gesundheitlicher Nutzen ableiten?

    Nein, nicht automatisch.

    Mehrere Studien zeigen, dass NR NAD-bezogene Blutwerte erhöhen kann. Das ist ein wichtiger Nachweis zur Bioverfügbarkeit und zum Stoffwechsel.

    Für Verbraucher ist jedoch entscheidend, ob sich dadurch relevante gesundheitliche Vorteile ergeben.

    Dazu gehören beispielsweise:

    • bessere körperliche Leistungsfähigkeit,
    • weniger Erschöpfung,
    • verbesserte Blutzuckerwerte,
    • bessere Lebensqualität,
    • langsamere Krankheitsentwicklung.

    Diese klinischen Vorteile wurden bisher nicht durchgehend und in jedem Fall nachgewiesen.


    Kann man NAD, NR und NMN gleichsetzen?

    Nein.

    Die Begriffe werden im Alltag häufig gemeinsam verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Stoffe.

    • NAD+ ist ein Coenzym.
    • NADH ist die reduzierte Form von NAD.
    • NR ist eine NAD-Vorstufe.
    • NMN ist ebenfalls eine NAD-Vorstufe.
    • Nicotinamid und Nicotinsäure sind Formen von Vitamin B3 und können in den NAD-Stoffwechsel einfließen.

    Sie unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich:

    • chemischer Struktur,
    • Aufnahme,
    • Stoffwechsel,
    • Dosierung,
    • Studienlage.

    Ergebnisse zu NR können daher nicht ohne Weiteres auf NMN oder NADH übertragen werden.


    Welche Dosierung wurde untersucht?

    Die Dosierungen variierten stark.

    NADH

    Je nach Studie etwa:

    • 5 mg täglich,
    • 10 mg täglich,
    • 20 mg täglich.

    NR

    Je nach Studie:

    • 100 mg täglich,
    • 300 mg täglich,
    • 500 mg täglich,
    • 1.000 mg täglich.

    NMN

    In beiden eingeschlossenen Studien:

    • 250 mg täglich.

    Nicotinamid und Nicotinsäure

    In einer Studie:

    • 200 mg Nicotinamid,
    • 4 mg Nicotinsäure.

    Diese Dosierungen sind keine allgemeine Einnahmeempfehlung.

    Sie zeigen lediglich, welche Mengen in den jeweiligen klinischen Studien eingesetzt wurden.


    Was ist bei Vorerkrankungen zu beachten?

    Die Übersichtsarbeit gibt keine allgemeine medizinische Empfehlung für Menschen mit chronischen Erkrankungen.

    Besonders bei:

    • Diabetes,
    • Prädiabetes,
    • Parkinson,
    • Alzheimer,
    • chronischem Erschöpfungssyndrom,
    • Leber- oder Nierenerkrankungen,
    • regelmäßiger Medikamenteneinnahme

    sollte eine Einnahme nicht eigenständig als Therapie begonnen werden.

    Die untersuchten Substanzen dürfen nicht als Ersatz für eine ärztliche Behandlung angesehen werden.


    Stärken der systematischen Übersichtsarbeit

    Die Arbeit hat mehrere wichtige Stärken:

    Fokus auf randomisierte Humanstudien

    Es wurden nur randomisierte kontrollierte beziehungsweise randomisierte klinische Studien einbezogen.

    Dadurch wurden Tier- und Zellstudien nicht mit klinischen Ergebnissen vermischt.

    Breite Datenbanksuche

    Die Autoren durchsuchten mehrere wissenschaftliche Datenbanken, darunter:

    • PubMed,
    • MEDLINE,
    • Embase,
    • Cochrane CENTRAL,
    • Web of Science,
    • Scopus.

    Zusätzlich wurden Register und graue Literatur berücksichtigt.

    Systematische Bewertung des Verzerrungsrisikos

    Die Studienqualität wurde mit dem Cochrane Risk of Bias Tool 2.0 bewertet.

    Klare Unterscheidung verschiedener NAD-Formen

    Die Übersichtsarbeit betrachtete NADH, NR, NMN, Nicotinamid und Nicotinsäure getrennt.

    Das ist wichtig, weil diese Verbindungen nicht identisch sind.

     

    Fazit

    Die systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass NADH und NAD-Vorstufen wie NR und NMN in kurzfristigen klinischen Studien überwiegend gut verträglich waren.

    Besonders gut belegt ist, dass Nicotinamid-Ribosid den NAD-Stoffwechsel und NAD-bezogene Blutwerte erhöhen kann.

    Darüber hinaus gibt es einzelne positive Hinweise:

    • NMN verbesserte in einer kleinen Studie die Insulinsensitivität der Muskulatur bei Frauen mit Prädiabetes.
    • NMN zeigte in einer Studie mögliche Vorteile für bestimmte körperliche Funktionen und Schläfrigkeit bei älteren Erwachsenen.
    • NR beeinflusste in einer Phase-I-Studie NAD-Werte und Entzündungsmarker bei Parkinson.
    • NADH zeigte in kleinen Studien mögliche Effekte bei chronischer Erschöpfung und kognitiven Messwerten.

    Diese Ergebnisse sind wissenschaftlich interessant, reichen aber nicht für eindeutige Therapie- oder Präventionsempfehlungen.

    Die wichtigste praktische Erkenntnis lautet daher: NAD-Vorstufen können den NAD-Stoffwechsel beeinflussen. Ob daraus für gesunde Menschen oder Patienten ein relevanter langfristiger Gesundheitsvorteil entsteht, ist noch nicht abschließend geklärt.


    FAQ

    Was ist NAD und wofür braucht der Körper es?

    NAD ist ein Coenzym, das in nahezu allen Körperzellen vorkommt. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Energiegewinnung, der mitochondrialen Funktion, der DNA-Reparatur und verschiedenen zellulären Signalwegen.

    Was ist der Unterschied zwischen NAD+, NADH, NR und NMN?

    NAD+ und NADH sind zwei Formen desselben Coenzyms. NR und NMN sind Vorstufen, aus denen der Körper NAD bilden kann. Die Stoffe unterscheiden sich in Struktur, Stoffwechsel und Studienlage.

    Erhöht Nicotinamid-Ribosid den NAD-Spiegel?

    Ja. Mehrere der ausgewerteten Humanstudien zeigten, dass Nicotinamid-Ribosid den NAD+-Spiegel im Blut erhöhen kann. Ob dieser Anstieg automatisch zu einem spürbaren gesundheitlichen Vorteil führt, ist jedoch nicht ausreichend geklärt.

    Ist NMN wirksam?

    NMN zeigte in kleinen klinischen Studien einzelne positive Effekte, etwa auf die Insulinsensitivität der Muskulatur und bestimmte körperliche Funktionen älterer Menschen. Die Daten reichen nicht aus, um eine allgemeine Wirksamkeit zu bestätigen.

    Können NAD oder NMN das Altern verlangsamen?

    Die ausgewerteten Humanstudien belegen nicht, dass NAD, NR oder NMN das Altern verlangsamen oder die Lebensdauer verlängern. Solche Aussagen gehen über die vorhandene klinische Evidenz hinaus.

    Ist NADH bei chronischer Müdigkeit hilfreich?

    Kleine Studien bei chronischem Erschöpfungssyndrom zeigten einzelne positive Ergebnisse. Eine zuverlässige Wirksamkeit für Alle und in jedem Fall ist daher nicht belegt.

    Ist Nicotinamid-Ribosid bei Parkinson wirksam?

    Eine kleine Phase-I-Studie zeigte biologische Veränderungen, darunter erhöhte NAD-Werte im Gehirn und niedrigere Entzündungsmarker. Die Studie belegt jedoch keine Behandlung der Parkinson-Krankheit.

    Welche Nebenwirkungen können auftreten?

    Berichtet wurden unter anderem Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden. Die meisten unerwünschten Ereignisse waren mild. Die Langzeitsicherheit ist aufgrund der kurzen Studien noch nicht ausreichend untersucht.

    Können NAD-Präparate Medikamente ersetzen?

    Nein. Die Studien zeigen keinen ausreichenden Nachweis dafür, dass NADH, NR oder NMN eine medizinische Behandlung ersetzen können.

    Studienquelle

    Gindri, I. de M., Ferrari, G., Pinto, L. P. S., Bicca, J., dos Santos, I. K., Dallacosta, D., & Roesler, C. R. de M. (2024). Evaluation of safety and effectiveness of NAD in different clinical conditions: a systematic review. American Journal of Physiology-Endocrinology and Metabolism, 326, E417–E427.
    DOI: 10.1152/ajpendo.00242.2023