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Hefepilz, Candida albicans und Biofilme: Kann Caprylsäure den Körper sinnvoll unterstützen?

Felix Henrichs
Hefepilz, Candida albicans und Biofilme: Kann Caprylsäure den Körper sinnvoll unterstützen?
Inhalt

    Fühlen Sie sich ständig erschöpft – obwohl alle Blutwerte "normal" sind?

    Sie schlafen ausreichend und fühlen sich morgens trotzdem wie gerädert. Nach dem Essen bläht sich Ihr Bauch auf, Heißhunger auf Süßes begleitet Sie durch den Tag und wiederkehrende Verdauungsbeschwerden scheinen einfach nicht verschwinden zu wollen.

    Vielleicht kennen Sie auch diese Beschwerden:

    • Hefepilzinfektionen der Haut und Schleimhäute
    • Blähungen und Völlegefühl
    • Müdigkeit und Energielosigkeit
    • Konzentrationsprobleme ("Brain Fog")
    • Heißhunger auf Zucker
    • Hautprobleme oder unreine Haut
    • wiederkehrende Infekte
    • das Gefühl, dass Ihr Darm nie richtig zur Ruhe kommt

    Viele fragen sich, ob hinter diesen unspezifischen Beschwerden eine chronische Hefepilzbelastung durch Candida albicans stecken könnte. Tatsächlich gehört Candida albicans zur natürlichen Darmflora und besiedelt bei vielen Menschen auch Mund, Darm und Schleimhäute. Erst wenn das empfindliche Gleichgewicht des Mikrobioms gestört wird, kann sich der Hefepilz übermäßig vermehren und Beschwerden verursachen.

    Ein entscheidender Faktor dabei ist der sogenannte Biofilm.

    Warum Biofilme Candida so widerstandsfähig machen

    Candida albicans kann sich zu komplexen Biofilmen zusammenschließen. Dabei handelt es sich um eine schützende Matrix, in der sich die Hefezellen gegenseitig abschirmen.

    Ein solcher Biofilm kann:

    • Candida vor der Immunabwehr schützen,
    • die Wirkung von Antimykotika vermindern,
    • und dazu beitragen, dass Hefepilze immer wieder auftreten.

    Deshalb richtet sich die aktuelle Forschung zunehmend auf Substanzen, die nicht nur das Wachstum von Candida beeinflussen, sondern auch dessen Biofilmbildung und weitere Virulenzmechanismen.

    Eine dieser Substanzen ist Caprylsäure (Caprylic Acid).


    Was ist Caprylsäure?

    Caprylsäure (Octansäure, C8:0) gehört zu den mittelkettigen Fettsäuren (Medium Chain Fatty Acids, MCTs). Sie kommt natürlicherweise unter anderem vor in:

    • Kokosöl
    • Palmkernöl
    • Milchfett

    Aufgrund ihrer fettlöslichen Eigenschaften wird Caprylsäure seit vielen Jahren hinsichtlich ihrer antimikrobiellen Wirkung untersucht. Besonders interessant ist ihre mögliche Wirkung gegen Candida albicans.

    Die bisherige wissenschaftliche Evidenz stammt allerdings überwiegend aus Labor- und Tierstudien. Hochwertige klinische Studien am Menschen sind derzeit noch begrenzt.

    Wie wirkt Caprylsäure gegen Candida albicans?

    Laboruntersuchungen zeigen mehrere mögliche Angriffspunkte.

    1. Hemmung der Hyphenbildung

    Candida liegt normalerweise als harmlose Hefeform vor. Unter bestimmten Bedingungen bildet der Pilz sogenannte Hyphen – fadenförmige Strukturen, mit denen er leichter Gewebe besiedeln kann.

    Studien zeigen, dass Caprylsäure diese Umwandlung hemmen kann und dadurch das invasive Verhalten von Candida albicans reduziert.

    2. Verringerung der Biofilmbildung

    Besonders interessant ist die Wirkung auf den Candida-Biofilm.

    In Zellkulturstudien verringerte Caprylsäure:

    • die Anheftung der Hefezellen an Oberflächen,
    • die Ausbildung stabiler Biofilme,
    • und damit einen wichtigen Schutzmechanismus des Pilzes.

    Da Biofilme häufig mit wiederkehrenden oder schwer behandelbaren Hefepilzinfektionen in Verbindung gebracht werden, gilt dieser Mechanismus als besonders relevant.

    3. Beeinflussung wichtiger Virulenzgene

    Die Forschung zeigt außerdem, dass Caprylsäure die Aktivität verschiedener Gene beeinflusst, die für die Krankheitsentstehung von Candida albicans wichtig sind.

    Dabei wurden unter anderem folgende Veränderungen beobachtet:

    • verminderte Expression von CDC35
    • verminderte Expression von HWP1
    • verminderte Expression von HST7
    • verminderte Expression von CPH1
    • deutliche Herunterregulation des Hyphengens ECE1
    • erhöhte Expression der regulatorischen Gene NRG1 und TUP1

    Diese Veränderungen hemmen Signalwege, die für Hyphenbildung, Gewebeinvasion und Biofilm relevant sind.

    4. Hemmung der Zellvermehrung

    Zusätzlich beobachteten Forscher einen Zellzyklusarrest in der S- beziehungsweise G2/M-Phase. Dadurch wurde die Vermehrung von Candida albicans im Labor gehemmt.


    Können Stoffwechselprodukte von Candida den Körper zusätzlich belasten?

    Neben dem eigentlichen Wachstum des Hefepilzes rücken zunehmend auch dessen Stoffwechselprodukte in den Fokus der Forschung. Candida albicans kann bei der Verstoffwechselung von Kohlenhydraten verschiedene Substanzen bilden, darunter Ethanol sowie sogenannte höhere Alkohole (Fuselalkohole) wie Isoamylalkohol oder Isobutanol.

    Laboruntersuchungen zeigen, dass diese Stoffwechselprodukte biologische Prozesse beeinflussen können. Da die Entgiftung von Alkoholen überwiegend in der Leber erfolgt, wird diskutiert, ob eine ausgeprägte Candida-Besiedlung theoretisch zu einer zusätzlichen Stoffwechselbelastung beitragen könnte.

    Ein eindeutiger Nachweis, dass chronische Candida-Belastungen beim Menschen durch die Bildung von Fuselalkoholen oder Ethanol die Leber klinisch relevant schädigen oder stark belasten, liegt bislang jedoch nicht vor. Die bisherige Evidenz stammt überwiegend aus Laborstudien sowie Fallberichten – beispielsweise zum seltenen Auto-Brewery-Syndrom, bei dem Mikroorganismen im Darm größere Mengen Ethanol produzieren können. Diese Erkrankung stellt jedoch eine Ausnahme dar und ist nicht mit einer gewöhnlichen Candida-Besiedlung gleichzusetzen.

    Was sagt die Wissenschaft?

    Jadhav et al. (2017)

    Diese häufig zitierte Studie untersuchte die Wirkung von Capryl- und Caprinsäure auf Candida albicans.

    Die Ergebnisse zeigten:

    • Hemmung der Hyphenbildung
    • reduzierte Biofilmbildung
    • geringere Anhaftung an Oberflächen
    • Einfluss auf mehrere Virulenzgene
    • Abschwächung verschiedener Signalwege

    Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Capryl- und Caprinsäure interessante natürliche Wirkstoffe zur gegebenenfalls unterstützenden Behandlung von Candida albicans sein könnten.


    Tsukahara (1961)

    Bereits Anfang der 1960er-Jahre zeigte diese Arbeit eine direkte fungizide Wirkung von Caprylsäure gegen Candida albicans.

    Die Wirkung war:

    • konzentrationsabhängig
    • pH-abhängig
    • direkt pilzhemmend

    Krasowska et al. (2010)

    Diese Untersuchung beschäftigte sich hauptsächlich mit Caprinsäure, identifizierte jedoch auch Caprylsäure als biologisch aktive mittelkettige Fettsäure.

    Die Autoren beschrieben hemmende Effekte auf:

    • Hyphenbildung
    • Adhäsion
    • Biofilmbildung

     

    Fazit

    Die Forschung rund um Caprylsäure bei Candida albicans entwickelt sich kontinuierlich weiter. Besonders spannend sind die Ergebnisse zur Hemmung von Biofilmen, der Hyphenbildung und weiterer Virulenzmechanismen des Hefepilzes.

    Auch wenn die bisherigen Daten vielversprechend sind, stammen sie überwiegend aus Laborstudien. Wer unter wiederkehrenden Hefepilzinfektionen oder dem Verdacht auf eine chronische Candida-Belastung leidet, sollte Beschwerden ärztlich abklären lassen. Nahrungsergänzungsmittel mit Caprylsäure können – abhängig von der individuellen Situation – eine ergänzende Maßnahme sein, ersetzen jedoch keine medizinische Diagnose oder Therapie.


    Quellen

    • Jadhav A, Mortale S, Halbandge S. The Dietary Food Components Capric Acid and Caprylic Acid Inhibit Virulence Factors in Candida albicans Through Multitargeting. Journal of Medicinal Food. 2017;20(11):1083–1090. DOI: 10.1089/jmf.2017.3971.
    • Tsukahara T. Fungicidal Action of Caprylic Acid for Candida albicans. Japanese Journal of Medical Mycology. 1961.
    • Krasowska A et al. Capric acid secreted by Saccharomyces boulardii inhibits Candida albicans filamentous growth, adhesion and biofilm formation. FEMS Yeast Research. 2010;10(8):987–998.