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Vitamin K2 + D3 und Gefäßverkalkung: Neue Studie zeigt langsamere Progression

Supplementa Redaktionsteam
Vitamin K2 + D3 und Gefäßverkalkung: Neue Studie zeigt langsamere Progression
Inhalt

    Gefäßverkalkung entsteht nicht über Nacht. Sie entwickelt sich über Jahre und Jahrzehnte – und entsprechend spannend ist die Frage, ob sich auch ihr Fortschreiten langfristig beeinflussen lässt. Genau dazu liefert eine neue dänische Studie bemerkenswerte Daten: Bei Menschen mit bereits starker Verkalkung der Herzkranzgefäße nahm der Calcium-Score unter Vitamin K2 und D3 über zwei Jahre deutlich langsamer zu als unter Placebo.

    Warum Vitamin K2 bei Gefäßverkalkung überhaupt interessant ist

    Vitamin K kennt man vor allem wegen seiner Bedeutung für die normale Blutgerinnung und den Erhalt normaler Knochen.

    Doch Vitamin K aktiviert im Körper noch weitere Proteine. Eines davon ist das sogenannte Matrix-Gla-Protein, kurz MGP.

    Dieses Vitamin-K-abhängige Protein spielt eine Rolle bei der Regulation von Verkalkungsprozessen außerhalb des Knochens – unter anderem in den Gefäßwänden.

    Genau daraus entstand die wissenschaftlich interessante Frage:

    Kann eine ausreichende beziehungsweise erhöhte Verfügbarkeit von Vitamin K2 Prozesse beeinflussen, die an der Verkalkung von Gefäßen beteiligt sind?

    Vitamin D kommt dabei als zweiter Nährstoff ins Spiel. Es trägt unter anderem zu einem normalen Calciumspiegel im Blut sowie zur Erhaltung normaler Knochen bei.

    Die populäre Formulierung, K2 und D3 sorgten gemeinsam dafür, dass Calcium „in die Knochen und nicht in die Gefäße“ gelangt, ist biologisch etwas zu einfach.

    Der Grundgedanke dahinter ist aber durchaus interessant: Vitamin D und Vitamin K greifen an unterschiedlichen Stellen in die Regulation des Calciumstoffwechsels und Vitamin-K-abhängiger Proteine ein.

    Und genau diese Kombination wurde nun erneut klinisch untersucht.

    DANCODE: 400 Menschen mit bereits starker Verkalkung

    Die im August 2026 im Fachjournal Circulation veröffentlichte DANCODE-Studie war eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Untersuchung.

    Eingeschlossen wurden 400 Menschen, bei denen bereits eine deutliche Verkalkung der Herzkranzgefäße festgestellt worden war.

    Voraussetzung war ein Calcium-Score von mindestens 400 Agatston-Einheiten.

    Das ist wichtig: Hier wurde nicht bei jungen, gesunden Menschen untersucht, ob sich irgendwann möglicherweise eine Verkalkung verhindern lässt.

    Die Forschenden wählten bewusst Menschen aus, bei denen dieser Prozess bereits weit fortgeschritten war.

    Das mediane Alter lag bei 71 Jahren, der mediane Calcium-Score zu Studienbeginn bei 903 Agatston-Einheiten. 44 Prozent der Teilnehmenden lagen sogar bei einem Wert von mindestens 1.000.

    Die Hälfte erhielt täglich:

    • 720 µg Vitamin K2 als Menachinon-7 (MK-7)
    • 25 µg Vitamin D3 – entsprechend 1.000 I.E.

    Die andere Hälfte erhielt ein Placebo.

    Untersucht wurde über 24 Monate.

    Das Ergebnis: Rund 21 Prozent weniger Fortschreiten der Verkalkung

    Nach zwei Jahren war der Calcium-Score in beiden Gruppen gestiegen.

    Das überrascht zunächst vielleicht – ist aber bei Menschen mit bereits ausgeprägter Koronarverkalkung grundsätzlich nicht ungewöhnlich.

    Der entscheidende Unterschied lag darin, wie stark er anstieg.

    Unter Placebo nahm der Calcium-Score im Mittel um:

    248 Agatston-Einheiten

    zu.

    Unter Vitamin K2 + D3 waren es:

    196 Agatston-Einheiten.

    Die Differenz betrug damit 52 Agatston-Einheiten zugunsten der K2+D3-Gruppe.

    Anders ausgedrückt:

    Das Fortschreiten der Koronarverkalkung fiel über zwei Jahre um rund 21 Prozent geringer aus.

    Und dieser Unterschied war statistisch klar abgesichert.

    Bemerkenswert ist außerdem, dass sich der Effekt sowohl bei Frauen als auch bei Männern und unabhängig davon zeigte, ob der Ausgangswert zwischen 400 und 999 oder bereits über 1.000 lag.

    Warum dieses Ergebnis interessanter ist, als es zunächst klingt

    52 Calcium-Score-Punkte wirken neben einem Ausgangswert von rund 900 vielleicht zunächst nicht spektakulär.

    Doch dabei übersieht man etwas Entscheidendes:

    Die Studie untersuchte keinen schnell veränderlichen Laborwert, sondern eine strukturelle Veränderung der Gefäßwand.

    Arterielle Verkalkung entsteht über lange Zeiträume.

    Entsprechend wäre es wenig realistisch zu erwarten, dass ein solcher Prozess innerhalb weniger Wochen verschwindet oder sich vollständig umkehrt.

    DANCODE zeigt stattdessen etwas, das für langfristige Prozesse sehr interessant ist:

    Die Geschwindigkeit, mit der die Verkalkung weiter voranschritt, ließ sich über einen Zeitraum von zwei Jahren messbar beeinflussen.

    Das ist eine andere Aussage als „K2 entfernt Kalk aus den Gefäßen“.

    Aber wissenschaftlich ist sie keineswegs belanglos.

    Und nein: Der Kalk ist dadurch nicht einfach „verschwunden“

    Dieser Unterschied ist uns wichtig.

    Der Name DANCODE steht zwar für „Danish Coronary Decalcification Trial“. Tatsächlich zeigte die Studie jedoch keine Abnahme des bestehenden Calcium-Scores.

    In beiden Gruppen nahm die Verkalkung weiter zu.

    Was sich unterschied, war die Geschwindigkeit.

    Man kann das vereinfacht so ausdrücken:

    DANCODE zeigt bislang kein Zurückdrehen der Uhr – aber ein langsameres Ticken.

    Ob eine noch längere Einnahmedauer irgendwann auch andere strukturelle Veränderungen sichtbar machen könnte, lässt sich aus dieser zweijährigen Studie nicht beantworten.

    Dafür wären längere Untersuchungen notwendig.

    Eine wichtige Sorge konnte die Studie ebenfalls adressieren

    Bei der Bewertung von Koronarplaques ist nicht nur deren Calciumanteil interessant.

    Stark verkalkte Plaques können vergleichsweise stabil sein. Deshalb stellte sich die Frage, ob eine langsamere Zunahme verkalkter Plaque möglicherweise einfach mit einer ungünstigen Zunahme nicht verkalkter, „weicherer“ Plaqueanteile einhergeht.

    Bei 143 Teilnehmenden wurde deshalb zusätzlich eine aufwendigere CT-Angiografie durchgeführt.

    Das Ergebnis war beruhigend:

    Die geringere Zunahme verkalkter Plaque war nicht mit einer Zunahme nicht verkalkter Plaque verbunden.

    Auch beim direkt gemessenen Volumen verkalkter Plaque zeigte sich eine geringere Progression in der K2+D3-Gruppe.

    Damit spricht die Bildgebung dafür, dass der Unterschied beim Calcium-Score nicht einfach durch eine Verschiebung zu mehr nicht verkalkter Plaque erkauft wurde.

    Besonders interessant: Es ist nicht das erste Signal

    DANCODE ist auch deshalb spannend, weil die Studie nicht völlig isoliert dasteht.

    Eine frühere dänische Untersuchung – die AVADEC-Studie – hatte dieselbe Kombination aus 720 µg K2 und 25 µg Vitamin D3 über zwei Jahre untersucht.

    In der gesamten Studiengruppe war der Unterschied beim Calcium-Score damals statistisch nicht eindeutig.

    Doch bei den Teilnehmern, die bereits einen Calcium-Score von mindestens 400 hatten, zeigte sich ein interessantes Signal:

    Auch dort schritt die Koronarverkalkung unter K2+D3 langsamer voran.

    Genau aus diesem Befund entstand DANCODE.

    Diesmal wurden gezielt Menschen mit einem Calcium-Score von mindestens 400 eingeschlossen.

    Und diesmal bestätigte sich der Unterschied klar.

    Das macht die neue Untersuchung aus unserer Sicht besonders interessant:

    Aus einem zunächst auffälligen Ergebnis in einer Untergruppe wurde eine neue Studie – und deren Ergebnis zeigt erneut in dieselbe Richtung.

    Was bedeutet das für Menschen ohne bekannte Gefäßverkalkung?

    Hier muss man zwischen biologischer Plausibilität und klinischem Nachweis unterscheiden.

    DANCODE untersucht nicht, ob gesunde Menschen durch K2+D3 verhindern können, dass sich Jahrzehnte später eine Koronarverkalkung entwickelt.

    Diesen Schluss kann man aus der Studie nicht ziehen.

    Sie unterstreicht aber, warum eine gute Versorgung mit den am Calciumstoffwechsel beteiligten Nährstoffen grundsätzlich interessant ist.

    Vitamin K trägt nach den in der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben zur Erhaltung normaler Knochenund zu einer normalen Blutgerinnung bei.

    Vitamin D trägt unter anderem zur:

    • Erhaltung normaler Knochen
    • Erhaltung einer normalen Muskelfunktion
    • normalen Funktion des Immunsystems
    • normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor
    • Aufrechterhaltung eines normalen Calciumspiegels im Blut

    bei.

    Wer gesund ist, sollte aus DANCODE deshalb nicht die Botschaft „Je mehr K2, desto besser“ mitnehmen.

    Die sinnvollere Botschaft lautet:

    Calciumstoffwechsel, Knochen und Gefäße sind biologisch miteinander verbunden – und eine gute Versorgung mit den beteiligten Nährstoffen ist eine langfristige Angelegenheit.

    Die in DANCODE verwendete K2-Menge war eine gezielt gewählte Studiendosis und keine allgemeine Dosierungsempfehlung.

    Und was bedeutet die Studie bei bereits vorhandener Verkalkung?

    Hier wird DANCODE besonders relevant.

    Die untersuchten Personen hatten bereits einen Calcium-Score von mindestens 400 – also genau keine theoretische Frühphase, sondern eine ausgeprägte Koronarverkalkung.

    Bei dieser Gruppe zeigte die Studie über zwei Jahre eine signifikant langsamere Progression unter K2+D3.

    Für Menschen mit bereits nachgewiesener starker Koronarverkalkung sind diese Daten deshalb durchaus interessant und können ein sinnvoller Anlass sein, Vitamin K2 und D3 mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen.

    Was daraus jedoch nicht werden sollte, ist eine Alternative zur kardiologischen Behandlung.

    Blutdruckeinstellung, Lipidmanagement, Bewegung, Nichtrauchen, Ernährung und gegebenenfalls Medikamente bleiben bei erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko entscheidend.

    K2 und D3 wären – wenn sie individuell sinnvoll sind – eine Ergänzung zu diesen Maßnahmen, kein Ersatz dafür.

    Noch eine wichtige Abgrenzung: Menschen mit früherem Herzinfarkt oder vorausgegangener koronarer Revaskularisation gehörten nicht zur untersuchten DANCODE-Population. Bei ihnen lässt sich das Ergebnis daher nicht einfach eins zu eins übertragen.

    Bei diesen Medikamenten ist Vitamin K besonders wichtig

    Wer Medikamente aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten einnimmt – beispielsweise Phenprocoumon oder Warfarin – sollte Vitamin K2 nicht eigenständig ergänzen.

    Diese Medikamente wirken gerade dadurch, dass sie den Vitamin-K-Stoffwechsel beeinflussen.

    Eine zusätzliche Vitamin-K-Zufuhr kann ihre Wirkung verändern.

    Deshalb gehört eine Supplementierung in dieser Situation ausdrücklich in ärztliche Hände.

    Das gilt nicht automatisch in gleicher Weise für alle modernen Gerinnungshemmer – entscheidend ist das tatsächlich verwendete Medikament.

    Und was ist mit der Dosis?

    Auch hier lohnt sich ein differenzierter Blick.

    Die verwendeten 25 µg Vitamin D3 entsprechen 1.000 I.E. täglich.

    Bei Vitamin K2 verwendeten die Forschenden dagegen 720 µg MK-7 täglich.

    Das war die konkrete Dosis, mit der die Studie durchgeführt wurde.

    Daraus folgt nicht automatisch, dass 720 µg für jeden Menschen die „richtige“ K2-Menge sind oder dass niedrigere Mengen keinen Effekt haben können.

    DANCODE beantwortet diese Dosisfrage nicht – untersucht wurde nur dieses eine Schema.

    Gerade wer bereits Erkrankungen hat oder dauerhaft Medikamente einnimmt, sollte deshalb nicht versuchen, eine Studiendosis einfach auf eigene Faust zu übernehmen.

    Was wir aus DANCODE mitnehmen

    Vielleicht ist der wichtigste Gedanke dieser Studie nicht einmal eine konkrete Zahl.

    Sondern der Faktor Zeit.

    Gefäßverkalkung ist das Ergebnis eines langfristigen biologischen Prozesses. Sie baut sich nicht innerhalb weniger Wochen auf.

    Und DANCODE deutet darauf hin, dass auch die Beeinflussung dieses Prozesses langfristig gedacht werden muss.

    Nach zwei Jahren war der vorhandene Kalk nicht verschwunden.

    Aber er hatte sich unter K2+D3 messbar langsamer weiter aufgebaut.

    Für eine Erkrankung beziehungsweise Strukturveränderung, die sich über viele Jahre entwickelt, ist das ein bemerkenswertes Ergebnis.

    Unser Fazit

    Die DANCODE-Studie liefert eines der bisher stärksten klinischen Signale dafür, dass Vitamin K2 in Kombination mit Vitamin D3 bei Menschen mit ausgeprägter Koronarverkalkung biologisch mehr sein könnte als eine interessante Theorie.

    Nach zwei Jahren war die Zunahme des Calcium-Scores unter K2+D3 rund 21 Prozent geringer als unter Placebo.

    Der Befund zeigte sich bei Männern und Frauen und auch bei sehr hohen Ausgangswerten. Gleichzeitig fand sich kein Hinweis darauf, dass die geringere Zunahme der Verkalkung durch mehr nicht verkalkte Plaque „erkauft“ wurde.

    Das ist ein gutes und relevantes Ergebnis.

    Es bedeutet allerdings nicht, dass K2+D3 bestehende Kalkablagerungen innerhalb von zwei Jahren entfernt oder Herzinfarkte verhindert. Genau diese Fragen müssen zukünftige, längere Studien beantworten.

    Für gesunde Menschen liefert DANCODE deshalb vor allem einen interessanten Einblick in einen langfristigen biologischen Prozess.

    Für Menschen mit bereits deutlich erhöhtem Calcium-Score ist die Studie konkreter: Sie zeigt erstmals in einer eigens dafür angelegten großen randomisierten Untersuchung, dass das Fortschreiten einer ausgeprägten Koronarverkalkung unter der untersuchten Kombination über zwei Jahre messbar langsamer verlief.

    Vielleicht ist genau das die richtige Erwartung bei einem Prozess, der sich über Jahrzehnte entwickelt:

    Nicht über Nacht „entkalken“, sondern langfristig in die richtige Richtung denken.


    Quelle

    Hasific S, Øvrehus KA, Mejldal A, et al.
    Vitamin K2 and D3 Supplementation in Patients With Severe Coronary Artery Calcification: The DANCODE Trial.
    Circulation. Online veröffentlicht am 28. August 2026.
    DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.126.082363
    ClinicalTrials.gov: NCT05500443

    Ergänzende Studie

    Hasific S, Oevrehus KA, Lindholt JS, et al.
    Effects of Vitamin K2 and D Supplementation on Coronary Artery Disease in Men: A RCT.
    JACC: Advances. 2023;2(9):100643.
    DOI: 10.1016/j.jacadv.2023.100643

     

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