Rotwein, gereifter Käse, Tomaten oder Sauerkraut: Lebensmittel, die für viele selbstverständlich sind, können bei besonders Histamin-sensitiven Menschen zahlreiche Beschwerden auslösen. Dazu zählen beispielsweise Kopfschmerzen, Hautreaktionen, Herzklopfen oder Verdauungsprobleme. — Wer also Histamin schlecht verträgt, schaut deshalb zunächst auf die Ernährung: Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin? Was wird gut vertragen und was sollte besser gemieden werden? Doch die Verträglichkeit lässt sich nicht allein über den Speiseplan erklären. Auch der Darm und sein Mikrobiom können dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Histamin ist ein natürlicher Botenstoff
Histamin ist kein „Schadstoff“, den wir möglichst vollständig vermeiden sollten. Ganz im Gegenteil: Als körpereigener Botenstoff erfüllt es zahlreiche wichtige Aufgaben. Histamin ist unter anderem an Immun- und Entzündungsreaktionen beteiligt, beeinflusst Blutgefäße und Atemwege, unterstützt die Magensäureproduktion und wirkt im Gehirn als Neurotransmitter, beispielsweise bei der Regulation unseres Schlaf-Wach-Rhythmus.

Probleme entstehen erst dann, wenn zeitweise zu viel Histamin vorhanden ist und der Körper es nicht ausreichend schnell abbauen kann. Wo diese persönliche Toleranzgrenze liegt, ist individuell unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben histaminreichen Lebensmitteln können beispielsweise auch Stress, Entzündungsprozesse, Medikamente oder der Zustand von Darm und Darmschleimhaut eine Rolle spielen.
Wenn das Mikrobiom zu viel Histamin bildet
Im Darm leben Billionen von Mikroorganismen. Dieses komplexe Ökosystem wird als „Darmflora“ bzw. als Darm-Mikrobiom bezeichnet. Die Bakterien verarbeiten Bestandteile unserer Nahrung und produzieren dabei zahlreiche Stoffwechselprodukte. Einige Darmbakterien bilden dabei Histamin, indem sie die Aminosäure Histidin in Histamin umwandeln. Kommt es zu einer Verschiebung des natürlichen Gleichgewichts und zu Veränderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms, kann sich eine Dysbiose entwickeln. Dadurch können sich bestimmte Mikroorganismen stärker ausbreiten. Ein höherer Anteil Histamin-bildender Bakterien beispielsweise kann zu einer Histaminbelastung im Darm führen.
Auch der Histaminabbau findet im Darm statt
Der Darm bildet aber nicht nur Histamin, sondern kann es auch abbauen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Enzym Diaminoxidase, kurz DAO. Es wird unter anderem in der Darmschleimhaut gebildet und baut insbesondere Histamin ab, das über die Nahrung aufgenommen wird. Deshalb kann der Zustand der Darmschleimhaut von Bedeutung sein. Entzündungen oder Erkrankungen des Darms sowie eine beeinträchtigte Darmbarriere können mit einer verminderten DAO-Aktivität verbunden sein.
Bei Probiotika auf die richtige Zusammensetzung achten!

Wer sein Mikrobiom gezielt mit Bakterienkulturen ergänzen möchte, sollte bei Histamin-Empfindlichkeit deshalb genauer hinschauen. Denn Bakterium ist nicht gleich Bakterium. Bei der Auswahl eines Probiotikums ist entscheidend, auf eine durchdachte Zusammensetzung eines Probiotikums mit nicht-histaminbildenden Bakterienkulturen zu achten. Ergänzend können lösliche Ballaststoffe wie Akazienfasern interessant sein. Sie können von Darmbakterien fermentiert werden und dienen damit als präbiotische Nahrung für das Mikrobiom.
Fazit: Das Mikrobiom gezielt aufbauen!
Bei Histamin-bedingten Problemen und Histamin-Intoleranz sollte ein Probiotikum gewählt werden, das in seiner Zusammensetzung keine Histamin-bildenden Bakterienstämme enthält. Histaminverträglichkeit bzw. -unverträglichkeit wird zwar von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, doch die Gesundheit des Darms spielt eine entscheidende Rolle. Ein gezielter Aufbau des Mikrobioms kann daher ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Umgangs mit Histamin-bedingten Problemen sein.
