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Omega-3 und Grüner Star: Was eine Studie mit 254.000 Menschen zeigt

Supplementa Redaktionsteam
Omega-3 und Grüner Star: Was eine Studie mit 254.000 Menschen zeigt
Inhalt

    Ab 40 lohnt sich ein genauerer Blick auf die Augen. Das Glaukom, umgangssprachlich Grüner Star, entwickelt sich meist unbemerkt über viele Jahre. Eine große Langzeitstudie mit über 254.000 Teilnehmenden lenkt den Blick jetzt auf einen Faktor, den man selbst beeinflussen kann: den Omega-3-Status im Blut. Wer höhere Omega-3-Werte hatte, erkrankte seltener am primären Offenwinkelglaukom. Was die Studie zeigt und wo ihre Grenzen liegen, lesen Sie hier.

    Das Wichtigste auf einen Blick

    • 254.157 Erwachsene aus der UK Biobank, durchschnittlich 56,7 Jahre alt, davon 54 % Frauen, beobachtet über knapp 14 Jahre
    • Höhere Omega-3-Spiegel im Plasma gingen mit einem geringeren Risiko für ein neu auftretendes Offenwinkelglaukom einher
    • Für DHA zeigte sich ein ähnliches, statistisch grenzwertiges Signal
    • Genetische Analysen stützen den Zusammenhang
    • Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Eine Empfehlung zu Dosis oder Einnahme lässt sich daraus nicht ableiten

    Warum das Thema gerade ab der Lebensmitte wichtig wird

    Das primäre Offenwinkelglaukom (POAG) ist die häufigste Form des Grünen Stars. Dabei gehen über Jahre Nervenzellen der Netzhaut und Fasern des Sehnervs verloren. Tückisch ist, dass es anfangs nicht wehtut und das Sehen lange normal wirkt. Wenn Ausfälle im Gesichtsfeld auffallen, ist der Schaden bereits dauerhaft.

    Das Risiko steigt mit dem Alter. Bekannte Faktoren sind außerdem ein erhöhter Augeninnendruck und die familiäre Veranlagung. Die Forschung sucht deshalb seit Langem nach Faktoren, die man selbst in der Hand hat. Einer davon könnte die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren sein.

    Omega-3 und das Auge: ein naheliegender Zusammenhang

    Die Netzhaut gehört zu den Geweben mit dem höchsten Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Körper. Besonders DHA (Docosahexaensäure) ist ein wichtiger Baustein ihrer Zellmembranen. Die Studienautoren nennen mehrere Mechanismen, über die Omega-3-Fettsäuren für das Glaukom relevant sein könnten:

    • Regulierung entzündlicher Prozesse
    • Schutz vor oxidativem Stress
    • Unterstützung der Nervenzellen in der Netzhaut
    • mögliche Effekte auf die Durchblutung des Auges
    • mögliche Einflüsse auf den Abfluss des Kammerwassers

    Diese Mechanismen stammen überwiegend aus früheren und experimentellen Arbeiten. In der aktuellen Studie wurden sie nicht direkt nachgewiesen.

    So wurde die Studie durchgeführt

    Die Forschenden haben zwei Ansätze kombiniert. Der erste war eine große Langzeitbeobachtung. Der zweite war eine sogenannte Mendelsche Randomisierung, die genetische Daten nutzt, um Hinweise auf Ursache und Wirkung zu finden.

    Studientyp Prospektive Kohortenstudie plus Mendelsche Randomisierung
    Datenbasis UK Biobank
    Teilnehmende 254.157 Personen europäischer Herkunft, 37 bis 73 Jahre
    Frauenanteil 54,1 %
    Beobachtungszeit Median 13,84 Jahre
    Gemessen Omega-3-Fettsäuren gesamt und DHA im Blutplasma
    Supplementierung Keine, es wurde kein Präparat verabreicht
    Neue Glaukomfälle 1.166

    Wer bei Studienbeginn bereits ein Glaukom hatte, wurde ausgeschlossen. Zahlreiche Einflussfaktoren wurden statistisch berücksichtigt, darunter Alter, Geschlecht, genetisches Glaukomrisiko, Rauchen, BMI, Bewegung, Blutdruck, Diabetes und Entzündungswerte.

    Die Ergebnisse

    1. Mehr Omega-3 im Blut, seltener Glaukom

    Pro Anstieg der Omega-3-Fettsäuren im Plasma um 1 mmol/l lag das Risiko für ein neu auftretendes Offenwinkelglaukom um 39 % niedriger (HR 0,61; 95-%-KI 0,43–0,88).

    Zur Einordnung: Der durchschnittliche Omega-3-Wert lag bei etwa 0,53 mmol/l. Ein Unterschied von 1 mmol/l ist also eine große statistische Einheit. Daraus folgt nicht, dass eine Omega-3-Kapsel das persönliche Risiko um 39 % senkt.

    2. DHA zeigt ein ähnliches Bild

    Für DHA allein war der Zusammenhang zahlenmäßig sogar stärker (HR 0,42), lag aber genau an der Grenze zur statistischen Signifikanz. Die Autoren werten ihn deshalb als grenzwertig.

    3. Je mehr, desto günstiger

    Das Risiko sank mit steigenden Omega-3-Werten gleichmäßig. Einen klaren Schwellenwert gab es nicht.

    4. Die Genetik stützt den Befund

    Bei der Mendelschen Randomisierung nutzt man Genvarianten, die von Geburt an zu etwas höheren oder niedrigeren Omega-3-Werten führen. Weil diese Varianten zufällig verteilt sind, lassen sich Lebensstil-Effekte besser herausrechnen. Auch hier waren genetisch höhere Omega-3- und DHA-Spiegel mit einem etwas geringeren Glaukomrisiko verbunden. Das macht den Zusammenhang plausibler, ersetzt aber keine Interventionsstudie.

    Was nicht ins Bild passte

    Zu einer ehrlichen Einordnung gehört auch, was die Studie nicht gefunden hat:

    • Kein Zusammenhang zwischen Omega-3-Werten und dem Augeninnendruck
    • Kein Zusammenhang beim Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3

    Eine frühere genetische Untersuchung hatte zudem keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Fettsäuren und Glaukom gefunden. Die Forschungslage ist also noch nicht abschließend.

    Was heißt das für Sie?

    Die Studie liefert einen ernstzunehmenden Hinweis: Ein guter Omega-3-Status über viele Jahre könnte ein Baustein für gesunde Augen sein. Er ersetzt aber weder die augenärztliche Vorsorge noch eine Therapie.

    Drei Dinge, die Sie konkret tun können:

    1. Vorsorge ernst nehmen: Augenärztinnen und Augenärzte empfehlen ab etwa 40 regelmäßige Untersuchungen zur Glaukom-Früherkennung, besonders wenn das Glaukom in der Familie vorkommt.
    2. Auf Omega-3 in der Ernährung achten: Fetter Seefisch wie Lachs, Hering, Makrele oder Sardinen liefert EPA und DHA. Für eine vegane Ernährung ist Algenöl die passende Quelle.
    3. Den eigenen Status kennen: Wie gut Ihre Versorgung ist, lässt sich mit einem Omega-3-Bluttest feststellen, etwa dem Omega-3-Index.

    Gut zu wissen: DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg DHA ein.

    Grenzen der Studie

    • Keine Omega-3-Gabe: Gemessen wurde der Blutspiegel, nicht die Wirkung eines Präparats.
    • Nur europäische Herkunft: Die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen.
    • Meist nur ein Messzeitpunkt: Wiederholte Messungen bei 4.355 Personen zeigten zwar recht stabile Werte, Veränderungen über 14 Jahre bleiben aber teilweise unerfasst.
    • EPA fehlt: EPA-Werte waren in den Daten nicht verfügbar und konnten nicht separat ausgewertet werden.
    • Diagnosen aus Registerdaten: Unentdeckte oder rein privat behandelte Fälle können fehlen.

    Fazit

    Die Studie ist groß, lang und methodisch sorgfältig. Ihr Ergebnis ist bemerkenswert: Wer über Jahre mehr Omega-3 im Blut hatte, erkrankte seltener am häufigsten Typ des Grünen Stars. Die genetischen Daten sprechen dafür, dass dahinter mehr steckt als ein gesunder Lebensstil. Ob die gezielte Einnahme von Omega-3 ein Glaukom verhindern kann, müssen jedoch erst randomisierte Interventionsstudien zeigen. Bis dahin gilt: auf eine gute Versorgung achten und die Augen regelmäßig untersuchen lassen.

    Häufige Fragen

    Was ist ein primäres Offenwinkelglaukom?

    Es ist die häufigste Form des Grünen Stars (englisch Primary Open-Angle Glaucoma, POAG). Dabei wird der Sehnerv langsam geschädigt, meist ohne Schmerzen und lange ohne spürbare Sehstörungen.

    Kann Omega-3 laut dieser Studie ein Glaukom verhindern?

    Das lässt sich daraus nicht ableiten. Höhere Omega-3-Werte im Blut waren mit einem geringeren Risiko verbunden. Ob die Einnahme eines Präparats ein Glaukom verhindert, wurde nicht untersucht.

    Welche Dosis wurde verwendet?

    Keine. Es handelte sich um eine Beobachtungsstudie, in der die Omega-3-Werte im Blut gemessen wurden.

    Hatten Menschen mit mehr Omega-3 einen niedrigeren Augeninnendruck?

    Nein. Zwischen Omega-3-Werten und Augeninnendruck fand sich kein Zusammenhang.

    Welche Omega-3-Fettsäuren wurden untersucht?

    Die Gesamtmenge der Omega-3-Fettsäuren und DHA im Plasma. EPA konnte nicht separat ausgewertet werden.

    Ab wann sollte ich zur Glaukom-Vorsorge?

    Fachgesellschaften empfehlen ab etwa 40 Jahren regelmäßige Untersuchungen, bei familiärer Vorbelastung gegebenenfalls früher. Sprechen Sie dazu mit Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt.


    Quelle: Association of Plasma Omega-3 Fatty Acids With POAG. Investigative Ophthalmology & Visual Science 2025; 66(12):3. doi:10.1167/iovs.66.12.3

    Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.