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Astaxanthin aus Mikroalgen: Was Studien zeigen

Supplementa Redaktionsteam
Astaxanthin aus Mikroalgen: Was Studien zeigen
Inhalt

    Vielleicht haben Sie den Namen schon einmal gehört: Astaxanthin – oft begleitet von großen Versprechen. Wir haben uns angesehen, was die Wissenschaft tatsächlich dazu sagt. Grundlage ist ein ausführlicher Übersichtsartikel von Kumar und Kollegen, der den Forschungsstand zu diesem besonderen Naturstoff zusammenfasst.

    Das Wichtigste auf einen Blick

    • Astaxanthin ist ein natürlicher roter Farbstoff, den vor allem die Mikroalge Haematococcus pluvialis bildet.
    • Im Labor zeigt es ausgeprägte antioxidative Eigenschaften – dank einer ungewöhnlichen Molekülstruktur.
    • Erste Studien am Menschen gibt es unter anderem zu Haut und Stoffwechsel. Sie sind interessant, aber meist klein und eher kurz.
    • Astaxanthin ist fettlöslich – zu einer Mahlzeit mit etwas Fett ist es gut aufgehoben.

    Was ist Astaxanthin eigentlich?

    Astaxanthin gehört zur großen Familie der Carotinoide – also zu denselben Naturfarbstoffen, die auch Karotten ihr Orange schenken. Genauer zählt es zu den sogenannten Xanthophyllen und ist fettlöslich.

    Sie begegnen Astaxanthin übrigens öfter, als Sie vielleicht denken: Es sorgt für die rosige Farbe von Lachs, Forellen und manchen Krebstieren. Diese Tiere bilden es aber nicht selbst – sie nehmen es über ihre Nahrung auf, und am Anfang dieser Kette stehen Mikroalgen.

    Eine ganz besondere Rolle spielt dabei die Alge Haematococcus pluvialis. Gerät sie unter Stress, etwa durch viel Licht oder Nährstoffmangel, legt sie regelrechte Vorräte an Astaxanthin an – laut Review bis zu etwa 5 Prozent ihres Trockengewichts. Deshalb ist sie die wichtigste Quelle für natürliches Astaxanthin.

    Warum interessiert sich die Forschung dafür?

    In unserem Körper entstehen ganz natürlich sogenannte reaktive Sauerstoffverbindungen (Fachleute sprechen von ROS, „Reactive Oxygen Species“). Sie gehören zum normalen Stoffwechsel. Werden es jedoch mehr, als die körpereigenen Schutzsysteme abfangen können, spricht man von oxidativem Stress. Dann können zum Beispiel Fette, Eiweiße und sogar das Erbgut in unseren Zellen verändert werden.

    Genau hier wird Astaxanthin spannend – und zwar wegen seiner Form.

    Ein Molekül, das sich quer stellt

    Stellen Sie sich eine Zellmembran wie eine dünne, zweischichtige Hülle vor: innen fettig, an den Rändern wasserfreundlich. Astaxanthin hat eine lange, fettlösliche Mitte und an beiden Enden wasserfreundliche Gruppen. Dadurch kann es sich – so beschreiben es die Autoren – quer durch diese Hülle legen und gleichzeitig mit beiden Bereichen in Kontakt treten.

    Diese besondere Lage gilt als ein wichtiger Grund dafür, dass Astaxanthin im Labor so wirksam mit reaktiven Sauerstoffverbindungen reagiert. Daher stammt auch der oft verwendete Beiname „Super-Antioxidans“.

    Ein kleiner, aber wichtiger Hinweis: Vergleiche wie „x-mal stärker als Vitamin C“ beruhen auf speziellen Labortests. Sie lassen sich nicht einfach auf den menschlichen Körper übertragen. Eine starke Wirkung im Reagenzglas bedeutet nicht automatisch einen ebenso großen Nutzen für unsere Gesundheit.

    Worum geht es in dem Review?

    Kumar und Kollegen haben zusammengetragen, was bis dahin über natürliches Astaxanthin bekannt war: von der Herkunft und Gewinnung über die chemische Struktur und die Aufnahme im Körper bis hin zu Sicherheitsfragen. Außerdem fassen sie Studien zu Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Haut zusammen und beleuchten die Herstellung aus Mikroalgen.

    Die Studie in Kürze

    • Art der Arbeit: wissenschaftlicher Übersichtsartikel (Review)
    • Grundlage: bereits veröffentlichte Zell-, Tier- und Humanstudien – keine eigene Untersuchung
    • Dauer der Humanstudien: je nach Studie mehrere Wochen bis wenige Monate
    • Untersuchte Mengen: unter anderem 4, 6, 8 und 12 mg Astaxanthin pro Tag
    • Gemessen wurde z. B.: Marker für oxidativen Stress, Blutzucker, Blutfette, Entzündungsmarker, Hautwerte und körperliche Leistungsfähigkeit

    Weil der Review selbst keine neue Studie durchführt, hängt seine Aussagekraft davon ab, wie gut die einzelnen zitierten Untersuchungen sind.

    Was zeigen die Studien?

    Haut: der vielleicht greifbarste Bereich

    Für viele Frauen besonders interessant: Zu den aussagekräftigeren Humanstudien im Review gehören Untersuchungen zur Haut.

    In einer Studie nahmen 65 gesunde Frauen 16 Wochen lang täglich 6 mg oder 12 mg Astaxanthin oder ein Placebo ein. Die Forschenden berichteten von Verbesserungen bei verschiedenen Merkmalen der Hautalterung und der Hautbeschaffenheit.

    Eine zweite, doppelblinde und placebokontrollierte Studie mit 23 gesunden Teilnehmenden verglich neun Wochen lang 4 mg Astaxanthin täglich mit einem Placebo. Untersucht wurden unter anderem, wie die Haut auf UV-Licht reagiert, wie viel Feuchtigkeit sie verliert und wie ihre Struktur beschaffen ist. In der Astaxanthin-Gruppe zeigten sich bei mehreren dieser Werte günstigere Veränderungen.

    Das macht Lust auf mehr Forschung – ein endgültiger Nachweis ist es bei diesen Studiengrößen aber noch nicht.

    Blutzucker und Stoffwechsel

    Mehrere klinische Studien haben Menschen mit Diabetes untersucht. In einer davon erhielten 54 Teilnehmende acht Wochen lang täglich 6 mg oder 12 mg Astaxanthin oder ein Placebo. Berichtet wurden Veränderungen bei Blutzucker, HbA1c (dem „Langzeit-Blutzuckerwert“) sowie bei einigen Entzündungs- und Blutfettwerten.

    Eine weitere Untersuchung mit 44 Teilnehmenden und 8 mg täglich über acht Wochen fand Veränderungen unter anderem bei Adiponectin, Fructosamin und dem Bauchfett um die Organe (viszerales Fett).

    Herz und Gefäße

    Eine kleine Pilotstudie begleitete 16 Menschen mit erhöhtem Risiko beziehungsweise Herzfunktionsstörungen über drei Monate bei 12 mg Astaxanthin täglich. Berichtet wurden ein Rückgang eines Markers für oxidativen Stress sowie Veränderungen bei Belastbarkeit und Herzfunktion.

    Bei nur 16 Teilnehmenden ist das ein Hinweis, dem man weiter nachgehen sollte – mehr aber auch nicht.

    Natürlich oder synthetisch – macht das einen Unterschied?

    Astaxanthin lässt sich auch chemisch herstellen. Natürliches Astaxanthin aus Haematococcus pluvialis ist jedoch anders zusammengesetzt: Es unterscheidet sich in der Form seiner Moleküle (Isomere) und darin, dass es überwiegend an Fettsäuren gebunden vorliegt (Ester). In Laborversuchen beschreiben die Autoren Unterschiede in der antioxidativen Aktivität.

    Für Nahrungsergänzungsmittel ist vor allem das natürliche Astaxanthin aus Mikroalgen von Bedeutung.

    Am besten mit einer Mahlzeit

    Weil Astaxanthin fettlöslich ist, kann der Körper es besser aufnehmen, wenn gleichzeitig etwas Fett im Spiel ist. Der Review beschreibt, dass Nahrungsfette und Öle die Aufnahme von Carotinoiden unterstützen können.

    Ganz praktisch heißt das: Nehmen Sie Astaxanthin am besten zu einer Mahlzeit ein, die etwas Fett enthält – zum Beispiel zum Frühstück mit Joghurt und Nüssen oder zum Mittagessen mit einem guten Öl im Salat.

    Wie gut ist Astaxanthin erforscht?

    Hier lohnt sich ein ehrlicher Blick. Der Review trägt viele Untersuchungen zusammen – ein großer Teil davon stammt allerdings aus Zellkultur- und Tierversuchen, mechanistischen Untersuchungen oder kleinen klinischen Studien. Die Humanstudien umfassen oft nur wenige Dutzend Teilnehmende und laufen meist acht bis 16 Wochen.

    Das heißt: Die Mechanismen sind spannend, und es gibt erste ermutigende Ergebnisse beim Menschen. Was noch fehlt, sind große, langfristige und unabhängig wiederholte Studien. Ergebnisse aus Zell- oder Tierversuchen – etwa aus der Krebsforschung – sind deshalb kein Beleg für eine Wirkung beim Menschen.

    Sicherheit und untersuchte Mengen

    In den beschriebenen Humanstudien wurden täglich zwischen 4 und 12 mg Astaxanthin eingesetzt. In einer Studie nahmen 19 gesunde Personen acht Wochen lang 6 mg pro Tag ein; bei Blutdruck, Blutbild und Stoffwechselwerten wurden dabei keine schädlichen Auswirkungen beobachtet.

    Unser Fazit

    Astaxanthin ist ein außergewöhnlicher Naturstoff: ein Carotinoid aus Mikroalgen mit einer Molekülstruktur, die es in der Forschung zu einem echten Hoffnungsträger macht. Die Laborergebnisse zu seinen antioxidativen Eigenschaften sind umfangreich, und erste Studien am Menschen – besonders zur Haut, zu oxidativem Stress und zum Stoffwechsel – sind vielversprechend.

    Häufige Fragen zu Astaxanthin

    Was ist Astaxanthin?

    Ein roter, fettlöslicher Naturfarbstoff aus der Gruppe der Carotinoide (genauer: der Xanthophylle). Besonders viel davon bildet die Mikroalge Haematococcus pluvialis.

    Ist Astaxanthin ein Antioxidans?

    Ja. In Laborversuchen kann Astaxanthin verschiedene reaktive Sauerstoffverbindungen unschädlich machen. Dabei hilft ihm seine besondere Form, mit der es sich quer durch Zellmembranen legen kann.

    Ist natürliches Astaxanthin besser als synthetisches?

    Beide unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. In Laborversuchen zeigten bestimmte natürliche Formen eine höhere antioxidative Aktivität. Ob daraus auch ein größerer Nutzen beim Menschen folgt, ist noch nicht belegt.

    Welche Mengen wurden in Studien eingesetzt?

    In den beschriebenen Humanstudien unter anderem 4, 6, 8 und 12 mg pro Tag. Eine „optimale“ Menge für bestimmte Fragestellungen lässt sich daraus noch nicht ableiten.

    Sollte ich Astaxanthin zu einer Mahlzeit einnehmen?

    Ja, das ist sinnvoll. Als fettlöslicher Stoff wird Astaxanthin besser aufgenommen, wenn die Mahlzeit etwas Fett enthält.

    Ist die Wirkung von Astaxanthin wissenschaftlich bewiesen?

    Das kommt auf die Frage an. Die antioxidativen Eigenschaften sind im Labor gut untersucht, und für einige Bereiche gibt es kontrollierte Studien am Menschen. Viele mögliche Einsatzgebiete beruhen jedoch noch auf kleinen Studien oder auf Zell- und Tierversuchen.

    Quelle: Kumar S, Kumar R, Diksha, Kumari A, Panwar A. Astaxanthin: A super antioxidant from microalgae and its therapeutic potential. Journal of Basic Microbiology. 2022;62(9):1064–1082. doi:10.1002/jobm.202100391