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Melatonin: Wie das Schlafhormon Körper, Geist und Seele fit hält!

Helge Lüddemann
Melatonin: Wie das Schlafhormon Körper, Geist und Seele fit hält!
Inhalt

    Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert und damit eine zentrale Rolle für unsere innere Uhr spielt. Dieser natürliche Wechsel zwischen Wach- und Schlafphasen ist allerdings bei vielen Menschen gestört, weil Stress, Schichtarbeit, Langstreckenflüge, künstliches Licht am Abend und der natürliche Alterungsprozess die körpereigene Melatoninproduktion beeinträchtigen — mit z. T. fatalen Auswirkungen auf die Gesundheit, denn Melatonin beeinflusst nicht nur unser Schlafverhalten sondern darüber hinaus auch zahlreiche weitere Prozesse im Körper, darunter den Hormonhaushalt, die Funktion der Mitochondrien, den antioxidativen Zellschutz und die Gesundheit des Gehirns.

    Bereits ab dem mittleren Erwachsenenalter nimmt die körpereigene Melatoninproduktion kontinuierlich ab. Dadurch können sich Schlafqualität, Regeneration und verschiedene Stoffwechsel- und Reparaturprozesse verschlechtern, zumal Melatonin u. a. auch die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatotropin stimuliert. Melatonin besitzt zudem ausgeprägte antioxidative Eigenschaften.  Es schützt Nervenzellen vor oxidativem Stress, unterstützt die Funktion der Mitochondrien und trägt dazu bei, die Leistungsfähigkeit des Gehirns langfristig zu erhalten. Eine ausreichende Melatoninversorgung gewinnt deshalb insbesondere mit zunehmendem Alter an Bedeutung.

    Wie reguliert das „Schlafhormon” Melatonin die Dauer und Qualität unserer Schlafphasen?

    Das „Schlafhormon” Melatonin wird in der Zirbeldrüse aus dem „Wohlfühl-Hormon” Serotonin gebildet. Die Produktion und Ausschüttung von Melatonin wird durch Dunkelheit aktiviert und durch Licht gehemmt. Dem entsprechend ist der Melatoninspiegel tagsüber niedrig, während am Abend, ausgelöst durch die schwindende Helligkeit und durch die eher rötliche als blau-weiße Zusammensetzung des Tageslichts in der Abenddämmerung, die Melatonin-Produktion beginnt und normalerweise schließlich um etwa 3 Uhr nachts ihren Höhepunkt erreicht bzw. erreichen sollte. In anderen Worten: Das „Schlafhormon” Melatonin soll in erster Linie dafür sorgen, dass wir nicht nur schneller einzuschlafen sondern auch besser „durchzuschlafen” können, damit wir am darauf folgenden Morgen möglichst gut erholt in den nächsten Tag starten können.

    Eine Schlafbrille kann die Schlafqualität verbessern

    Melatonin ist also maßgeblich daran beteiligt, die immens wichtigen Tiefschlafphasen auszulösen bzw. überhaupt erst zu ermöglichen, indem es als wichtigstes Schlafhormon im menschlichen Körper eben nicht nur den Beginn, das Ende und die Dauer unserer Schlafphasen beeinflusst sondern darüber hinaus auch für eine erhebliche Steigerung unserer Schlafqualität sorgt! Tiefer, erholsamer Schlaf und eine kurze Einschlafzeit sind also nur dann möglich, wenn ausreichend Melatonin zum richtigen Zeitpunkt gebildet wird.

    Nicht umsonst weisen Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren die höchsten Melatoninspiegel auf! Danach nimmt die körpereigene Melatonin-Produktion mit zunehmendem Alter kontinuierlich ab. Menschen in der mittleren Lebensphase (zwischen 35-45 Jahren) produzieren üblicherweise nur noch halb so viel Melatonin wie im Kindesalter, und spätestens ab dem 80. Lebensjahr produziert der menschliche Körper bestenfalls nur noch ein Viertel der Melatonin-Menge, die eigentlich notwendig wäre, um die selbe Schlafqualität erreichen zu können, auf die jeder Säugling und jedes Kind zwingend angewiesen ist,

    Neben der Steuerung unserer alltäglichen Schlaf- und Wach-Phasen ist Melatonin allerdings zusätzlich auch noch an zahlreichen weiteren Prozessen beteiligt: Es stimuliert die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatotropin, wirkt als neuroprotektives Antioxidans und kann Alterungsprozesse verlangsamen.

    Während des Tiefschlafs stimuliert Melatonin zudem die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatotropin. Dieses unterstützt den Erhalt von Muskelmasse, Bindegewebe und Stoffwechselaktivität. Mit zunehmendem Alter nimmt die nächtliche Ausschüttung der beiden Hormone Melatonin und auch Somatotropin ab, was mit Muskelabbau, verminderter Regeneration und Veränderungen der Körperzusammensetzung in Verbindung gebracht wird.

    Melatonin-Mangel als unvermeidliche Folge moderner Lebensgewohnheiten und natürlicher Alterungsprozesse

    Ein Großteil der Weltbevölkerung lebt unter einem lichtverschmutzten Himmel. Sowohl im Freien (Scheinwerfer, beleuchtete Objekte und Werbetafeln, Straßenlaternen etc.) als auch in den eigenen vier Wänden (Fernseher, Handy, Lampen etc.) sind wir abends künstlichem Licht ausgesetzt. Dadurch versäumt das Gehirn den Beginn der Melatonin-Produktion, die eigentlich jede Nacht um ca. 3 Uhr ihren Höhepunkt erreichen sollte.

    Insbesondere mit zunehmendem Alter wird es immer schwerer, einen gesunden Melatoninspiegel zu erreichen. Die Folgen des Melatoninmangels können fatal sein: Depressionen, vorzeitige Alterungserscheinungen, Diabetes, Adipositas, Schlaf-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Hochwertige Melatonin-Präparate können dieses Defizit ausgleichen.

    Wirkung von Melatonin auf Gehirn und Psyche

    Die Leistungen des Hormons für unser Gehirn werden besonders deutlich spürbar, wenn der Melatoninspiegel nicht optimal ist: Eine Nacht mit nicht ausreichend gutem Schlaf führt am nächsten Tag zu Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen und Gereiztheit. Sind Schlafdauer und -qualität ständig mangelhaft, kann die Psyche erheblich darunter leiden. Depressionen oder Angststörungen können mitunter auf einen zu niedrigen Melatoninspiegel und Schlafstörungen zurückgeführt werden, weshalb Melatonin auch in der Behandlung dieser Erkrankungen eingesetzt wird.

    Im Gegensatz zu den o. g. Folgen eines nächtlichen Melatoninmangels äußert sich ein angemessener Melatoninspiegel tagsüber durch ein gutes Denkvermögen, körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit und eine ausgeglichene Stimmung. Diese wertvollen Wirkungen nutzen Mediziner in den USA unter anderem bei der Behandlung von Gehirnerkrankungen (z. B. Demenz, Parkinson) und nach Schlaganfällen. Das Melatonin schützt das Gehirn der Patienten, unterstützt den Heilungsprozess und kann die Aufmerksamkeit, Konzentration sowie Wachheit steigern.

    Melatonin als neuroprotektives Antioxidans zum Schutz des Gehirns

    Das Gehirn ist aufgrund seines hohen Sauerstoffverbrauchs besonders anfällig für oxidativen Stress durch Freien Radikale. Diese hochreaktiven Sauerstoff-Verbindungen sind Stoffwechselprodukte, die im Gehirn aufgrund der permanenten Hochleistung in großen Mengen entstehen. Melatonin gehört zu den wirksamsten körpereigenen Antioxidantien und schützt Nervenzellen auch außerhalb der Schlafphasen vor freien Radikalen.

    Doch das empfindliche Gehirn kann noch durch eine Reihe weiterer Ereignisse geschädigt werden, zum Beispiel durch Entzündungen, Infektionen, Schwermetallbelastung oder alterungsbedingte Abbauprozesse. Sinkt der Melatoninspiegel, kann das Hormon das Gehirn nicht mehr ausreichend schützen und die Schäden können sich ausbreiten. Neben anfänglichen Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen kann im weiteren Verlauf das Hirnvolumen abnehmen. Dieser Prozess geht auch mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung einer Demenz einher. Die zusätzliche Einnahme von Melatonin kann diesen Prozess verlangsamen oder — bei frühzeitiger Behandlung — stoppen bzw. sogar umkehren.

    Weitere Aufgaben von Melatonin außerhalb des Gehirns

    Aufbau und Reparatur von Muskelzellen und Bindegewebe durch Somatotropin

    Während der Tiefschlafphase wird die Somatotropin-Ausschüttung durch das Melatonin stimuliert. Ist die Melatonin-Produktion gestört, kommt es also zu einem gestörten Somatotropin-Spiegel. Zu den wichtigsten Aufgaben des Somatotropins zählen der Aufbau und die Stärkung von Muskeln sowie Bindegeweben. Rutscht der Körper durch einen Melatonin- und somit auch Somatotropinmangel in eine vorzeitige Somatopause, kann es also zur Bindegewebsschwäche und zum Muskelabbau kommen.

    Einfluss von Melatonin (und Somatotropin) auf den Fettstoffwechsel

    Außerdem verlangsamen sich bei einem Mangel an Somatotropin auch Stoffwechselprozesse, die für den Fettabbau wichtig sind, so dass ein Melatoninmangel häufig zu vermehrtem Fettaufbau führt, mit der Folge von Übergewicht bis hin zur krankhaften Fettleibigkeit (Adipositas).

    Einfluss auf Mitochondrien und Entgiftungsleistung

    Oma trägt Enkelkind auf einer Wiese zwischen den Bäumen

    Die Mitochondrien sitzen im Inneren einer jeden Zelle und werden nicht ohne Grund als „Zellkraftwerke” bezeichnet: Rund um die Uhr verwandeln sie die über die Nahrung zugeführte Energie in den Energieträger ATP, der für alle Lebensfunktionen notwendig ist. Im Zuge der mitochondrialen ATP-Synthese und anderer intrazellulärer Stoffwechselprozesse entstehen allerdings unweigerlich auch große Mengen an Freien Radikalen als Abbauprodukte, die laufend neutralisiert bzw. abtransportiert werden müssen bevor sie die Mitochondrien oder andere Zellbestanteile schädigen können.

    Melatonin unterstützt die Mitochondrien, indem es antioxidative Schutzmechanismen im Innern der Zellen stärkt und die Bildung von Glutathion fördert – einem der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien. Dadurch bleiben die Mitochondrien leistungsfähig und können die Zellen effizienter mit Energie versorgen.

    Zusätzlich ist immer dann, wenn zu wenig Glutathion produziert wird, auch die Entgiftungsleistung des Körpers eingeschränkt. Melatonin ist für die Entgiftung des Körpers jedoch auch auf andere Weise unerlässlich: Das Hormon verringert die Toxizität (Giftigkeit) von Medikamenten und reduziert deren Nebenwirkungen. Dies gilt insbesondere für Cholesterinsenker.

    Einfluss von Melatonin auf die Bauchspeicheldrüse (und den Blutzucker-Haushalt)

    In der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) sitzen ebenfalls Melatonin-Rezeptoren (MT1- und MT2-Rezeptoren), welche den gesamten Stoffwechsel, aber insbesondere den Blutzucker beeinflussen. Ein Melatoninmangel kann aus diesem Grund zu Diabetes, Verdauungsstörungen und Fettleibigkeit führen.

     

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