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Histaminintoleranz – Ursachen verstehen und gezielt handeln

Svenja Maier
Histaminintoleranz – Ursachen verstehen und gezielt handeln
Inhalt

    Was ist Histamin und welche Aufgaben hat es im Körper?

    Histamin zählt chemisch betrachtet zu den biogenen Aminen und wird funktionell zu den Gewebshormonen gerechnet. Diese Stoffe übernehmen im Körper wichtige Steuerungsaufgaben und wirken oft lokal, also direkt in dem Gewebe, in dem sie freigesetzt werden. Histamin hat im gesamten Organismus viele wichtige Funktionen.

    Eine zentrale Rolle spielt es im Immunsystem. Hier fungiert Histamin gewissermaßen als „Dirigent“ verschiedener Abwehr- und Entzündungsreaktionen:

    ·       Durchblutung und Gefäßpermeabilität: Histamin erweitert die Blutgefäße und erhöht deren Durchlässigkeit. Dadurch können Flüssigkeit und Immunzellen leichter aus der Blutbahn in ein Gewebe gelangen, beispielsweise um Krankheitserreger abzuwehren.

    ·       Schleimsekretion: In den Atemwegen und im Verdauungstrakt fördert Histamin die Schleimproduktion und unterstützt damit natürliche Schutzmechanismen.

    ·       Bronchien: Histamin kann eine Verengung der Bronchien auslösen, wie sie beispielsweise bei allergischen Reaktionen auftritt.

    ·       Entzündungen und allergische Reaktionen: Über verschiedene Histaminrezeptoren beeinflusst der Botenstoff neben der Gefäßreaktion auch die Aktivität von Immunzellen und die Freisetzung weiterer Entzündungsmediatoren. Seine Wirkung hängt dabei wesentlich davon ab, an welchen Rezeptortyp Histamin bindet.

    Auch im zentralen Nervensystem ist Histamin ein wichtiger Neurotransmitter. Hier übernimmt es unter anderem folgende Aufgaben:

    ·       Wachheit und Aufmerksamkeit: Histamin trägt dazu bei, Wachheit, Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft aufrechtzuerhalten und ist an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt.

    ·       Lernen und Verhalten: Das histaminerge System beeinflusst unter anderem Lernen, Gedächtnis, Hunger- und Sättigungsregulation sowie emotionale Prozesse.

    ·       Kommunikation zwischen Nervenzellen: Histamin moduliert die Freisetzung weiterer Neurotransmitter wie Acetylcholin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin.

    Für die Verdauung hat Histamin ebenfalls wichtige Funktionen:

    ·       Magensäureproduktion: Über H2-Rezeptoren stimuliert Histamin die Belegzellen des Magens und fördert dadurch die Ausschüttung von Magensäure.

    ·       Darmfunktion: Histamin ist an der Regulation der Darmmotilität sowie an der Kommunikation zwischen Nervensystem, Darm und Immunsystem beteiligt.

    Darüber hinaus beeinflusst Histamin weitere Prozesse:

    ·       Hormonsystem: Histamin steht mit verschiedenen hormonellen Regelkreisen in Wechselwirkung und ist zum Beispiel an der Regulation des Menstruationszyklus beteiligt.

    ·       Wundheilung: Histamin ist an Entzündungs-, Durchblutungs- und Reparaturprozessen im geschädigten Gewebe beteiligt.

    Histamin ist somit kein schädlicher Stoff, den der Körper möglichst vollständig beseitigen sollte. Im Gegenteil: Es ist für zahlreiche normale Körperfunktionen notwendig. Problematisch wird Histamin erst dann, wenn seine Menge nicht mehr im Verhältnis zur individuellen Regulations- und Abbaukapazität steht.

    Vier verschiedene Histaminrezeptoren

    Histamin entfaltet seine Wirkung, indem es an spezifische Rezeptoren bindet. Bislang sind vier Histaminrezeptoren bekannt: H1, H2, H3 und H4. Sie kommen in unterschiedlichen Geweben vor und lösen teilweise sehr unterschiedliche Reaktionen aus.

    ·       H1-Rezeptoren: finden sich unter anderem in Blutgefäßen, glatter Muskulatur, Atemwegen und im zentralen Nervensystem. Sie vermitteln viele klassische allergische Reaktionen wie Gefäßerweiterung, erhöhte Gefäßdurchlässigkeit, Juckreiz und Bronchokonstriktion.

    ·       H2-Rezeptoren: kommen insbesondere im Magen, aber auch im Herzen, auf verschiedenen Immunzellen und im zentralen Nervensystem vor. Im Magen steuern sie vor allem die Magensäuresekretion.

    ·       H3-Rezeptoren: sind besonders stark im Nervensystem vertreten. Sie sitzen überwiegend präsynaptisch auf Nervenzellen und regulieren dort die Freisetzung von Histamin und weiteren Neurotransmittern.

    ·       H4-Rezeptoren: befinden sich vor allem auf Zellen des Immunsystems sowie im Knochenmark, in lymphatischen Organen wie Milz und Thymus, in der Haut, im Verdauungstrakt und in den Atemwegen. Die H4-Rezeptoren sind besonders relevant in Zusammenhang mit der Regulation des Immunsystems.

    Bemerkenswert ist, dass im menschlichen Gehirn gleich drei Rezeptortypen - H1, H2 und H3 - nachgewiesen wurden. Ihre Verteilung unterscheidet sich zwischen verschiedenen Hirnregionen. Dies verdeutlicht, wie vielfältig Histamin die Aktivität des zentralen Nervensystems beeinflussen kann.

    Die unterschiedlichen Rezeptortypen sind auch therapeutisch wichtig. Medikamente können gezielt einzelne Histaminrezeptoren blockieren und dadurch bestimmte Histaminwirkungen hemmen, während andere Funktionen des Botenstoffs weitgehend erhalten bleiben. Klassische Antihistaminika bei Allergien wirken beispielsweise vor allem am H1-Rezeptor, während H2-Rezeptorblocker die Magensäureproduktion hemmen. H4-Rezeptoren sind aufgrund ihrer Bedeutung für Immunzellen Gegenstand der Forschung zu entzündlichen und allergischen Erkrankungen.

    Was bedeutet Histaminintoleranz?

    Mit dem Begriff „Histaminintoleranz“ werden chronisch auftretende Beschwerden durch einen Überschuss an Histamin bezeichnet. Es besteht dabei ein Ungleichgewicht zwischen der Menge an vorhandenem Histamin im Körper und der Kapazität, Histamin abzubauen. Man kann also von einem Ungleichgewicht oder einer Störung im Histaminstoffwechsel sprechen.

    Der verbreitete Begriff „Histaminintoleranz“ wirkt irreführend und ist fachlich nicht korrekt, da keine Intoleranz gegenüber Histamin als körpereigenem Botenstoff besteht. Wäre eine Person intolerant gegenüber Histamin, wäre sie nicht lebensfähig. Vielmehr übersteigt bei Betroffenen die vorhandene Histaminmenge zeitweise die individuelle Abbaukapazität, wodurch schließlich die verschiedenen Beschwerden ausgelöst werden.

    Verschiedene Faktoren können die Entstehung eines solchen Histaminüberschusses begünstigen. Dabei sind sowohl erworbene als auch genetisch bedingte Einflüsse relevant. Bei vielen Betroffenen kommen mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen.

    Mögliche Symptome im Überblick

    Die Symptome einer Histaminintoleranz sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Da Histamin an vielen Prozessen im Körper beteiligt ist und Rezeptoren für Histamin im gesamten Körper vorkommen, betreffen die Beschwerden häufig mehrere Organsysteme gleichzeitig.

    Häufige Symptome sind zum Beispiel:

    • Haut: Rötungen und Flush, Juckreiz, Quaddeln und Nesselsucht
    • Magen-Darm-Trakt: Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und weitere unspezifische Verdauungsbeschwerden
    • Atemwege: laufende oder verstopfte Nase, Schwellung der Nasenschleimhaut, mögliche Verstärkung gleichzeitig bestehender Allergien wie Heuschnupfen
    • Nervensystem und Allgemeinbefinden: Kopfschmerzen und Migräne, Schwindel, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Brain Fog, Schlafstörungen wie nächtliches Aufwachen sowie Angst und weitere psychische Beschwerden

    Die Effekte eines gestörten Histaminstoffwechsels auf das zentrale Nervensystem können weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Chronisch erhöhte Spiegel im ZNS begünstigen entzündliche Prozesse im Nervengewebe, wodurch auch neurodegenerative Erkrankungen in ihrer Entstehung gefördert werden könnten. Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, wie sie bei vielen Betroffenen vorkommen, verschlechtern zudem die Schlafqualität, wodurch Regenerationsprozesse des gesamten Körpers beeinträchtigt werden.

    Kurzfristige Faktoren wie vermehrter Stress und Schlafmangel, hormonelle Veränderungen im Zyklusverlauf oder andere Belastungen können die Histaminfreisetzung und die Abbaukapazität des Körpers zusätzlich beeinflussen. Dadurch wird es für Betroffene oftmals noch schwieriger, ein eindeutiges Muster oder bestimmte Auslöser hinter ihren Beschwerden zu erkennen.

    Aufnahme und Abbau von Histamin

    Um die möglichen Ursachen einer Histaminintoleranz zu verstehen, ist es wichtig zu betrachten, wie Histamin in den Körper gelangt und wie es wieder abgebaut wird. Ein Ungleichgewicht zwischen diesen Prozessen führt letztlich zu den verschiedenen Beschwerden.

    Wie gelangt Histamin in den Körper?

    Histamin kann auf drei verschiedenen Wegen in den Körper gelangen: die körpereigene Bildung, die Aufnahme aus der Nahrung und die Bildung durch Mikroorganismen im Darm.

    Körpereigene Bildung

    Der Körper stellt Histamin selbst aus der Aminosäure Histidin her. Dies geschieht hauptsächlich in Mastzellen und basophilen Granulozyten. Diese Zelltypen gehören zum angeborenen Immunsystem. Sie speichern Histamin in Vesikeln und setzen es bei Bedarf frei - beispielsweise bei allergischen Reaktionen oder Entzündungsprozessen.

    Mastzellen sind ortsständige Gewebszellen und finden sich besonders dicht in den Grenzgeweben zur Außenwelt, wie der Lederhaut, den Schleimhäuten der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts sowie im lockeren Bindegewebe entlang von Blutgefäßen und Nerven. Basophile Granulozyten hingegen kommen im gesunden Zustand primär zirkulierend im Blut und im Knochenmark vor, von wo aus sie bei Entzündungen oder allergischen Reaktionen in das betroffene Gewebe einwandern können.

    Aufnahme über die Nahrung

    Neben der körpereigenen Produktion kann Histamin über die Nahrung aufgenommen werden. Besonders hohe Mengen enthalten lange gereifte oder gelagerte Lebensmittel wie gereifter Käse, fermentierte Produkte oder gepökeltes Fleisch. Bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz wird daher oftmals empfohlen, entsprechende Lebensmittel zu meiden.

    Dies kann akut zu einer Linderung der Symptome beitragen. Eine dauerhaft sehr restriktive Ernährung ist jedoch nicht sinnvoll und kann die Vielfalt der Lebensmittelauswahl erheblich einschränken. Langfristiges Ziel sollte deshalb sein, die persönliche Toleranz zu verbessern und möglichst viele gesunde Lebensmittel, beispielsweise fermentiertes Gemüse, wieder in die Ernährung integrieren zu können.

    Histaminbildung im Darm

    Histamin kann darüber hinaus direkt im Darm entstehen. Bestimmte Darmbakterien verfügen über das Enzym Histidindecarboxylase, mit dem sie die Aminosäure Histidin in Histamin umwandeln können. Zu diesen histaminbildenden Mikroorganismen gehören beispielsweise einzelne Stämme verschiedener Enterobakterien.

    Bei einem gesunden Darmmikrobiom sind solche Mikroorganismen Teil eines komplexen mikrobiellen Ökosystems. Verschiebt sich dieses Gleichgewicht jedoch im Rahmen einer Dysbiose, können histaminproduzierende Keime stärker vertreten sein und damit die Histaminbelastung im Darm erhöhen.

    Wie wird Histamin abgebaut?

    Der Körper verfügt über zwei spezialisierte Enzyme, um überschüssiges Histamin abzubauen:

    • Diaminoxidase (DAO): Dieses Enzym ist hauptsächlich für den Abbau von extrazellulärem Histamin zuständig - insbesondere von Histamin, das über die Nahrung aufgenommen wird oder im Darm durch Bakterien entsteht. Die DAO wird in hohen Konzentrationen in der Darmschleimhaut gebildet und übernimmt dort eine wichtige Schutzfunktion. Bei einer guten Funktion der DAO gelangt also nur wenig Histamin aus dem Darm in den Körper.
    • Histamin-N-Methyltransferase (HNMT): Im Gegensatz zur DAO baut die HNMT Histamin innerhalb der Zellen ab. Dieses Enzym ist in verschiedenen Geweben aktiv, unter anderem in Leber, Nieren, Atemwegen und im zentralen Nervensystem.

    Wenn die Aktivität dieser Enzyme eingeschränkt ist, sinkt die individuelle Toleranzschwelle für Histamin, sodass bereits geringere Mengen des Gewebshormons Beschwerden auslösen können.

    Ursachen und Auslöser einer Histaminintoleranz

    Die Ursachen einer Histaminintoleranz sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Oftmals liegen mehrere Ursachen in Kombination vor. Ein zentraler ursächlicher Faktor, der bei vielen Betroffenen eine Rolle spielt, ist die Darmgesundheit und insbesondere der Zustand der Darmbarriere.

    Grundsätzlich kann ein Histaminüberschuss entstehen, weil der Körper selbst vermehrt Histamin freisetzt, der Abbau eingeschränkt ist, zusätzliche Mengen im Darm entstehen oder zu viel Histamin über die Nahrung aufgenommen wird. Im Folgenden werden die wichtigsten Ursachen und Trigger und ihre Zusammenhänge untereinander vorgestellt.

    1) Das Immunsystem produziert zu viel Histamin

    Der Zustand des Immunsystems ist eng mit der Darmgesundheit verknüpft. Ein großer Teil der Immunaktivität des Körpers findet im Bereich der Darmschleimhaut statt. Dies ist auch aus biologischer Sicht sinnvoll, denn der Darm stellt mit seiner großen Oberfläche eine wichtige Grenzfläche zwischen der Außenwelt und dem Körperinneren dar.

    Aufbau und Funktion der Darmbarriere

    Die Darmbarriere besteht aus mehreren Schutzschichten. Auf der Innenseite liegt eine Schleimschicht, die verhindert, dass Mikroorganismen und andere potenziell problematische Substanzen unmittelbar mit den Darmzellen in Kontakt kommen. Diese Schleimschicht ist im Dickdarm deutlich stärker ausgeprägt als im Dünndarm.

    Darunter befindet sich eine einschichtige Lage aus Epithelzellen. Diese Zellen sind über spezialisierte Zellkontakte, sogenannte Tight Junctions, miteinander verbunden. Unterhalb des Epithels liegt Bindegewebe mit Blut- und Lymphgefäßen, Nervenfasern und einer großen Zahl unterschiedlicher Immunzellen.

    Eine intakte Darmbarriere hat somit eine wichtige Filterfunktion: Durch Verdauungsenzyme aufgespaltene Nährstoffe sollen aufgenommen werden können, während größere, unvollständig verdaute Nahrungsbestandteile, Mikroorganismen und andere unerwünschte Substanzen abgehalten werden. Und sollte doch ein unerwünschter Stoff „durchrutschen“, steht die Immunabwehr direkt bereit, um zu reagieren.

    Leaky-Gut-Syndrom

    Wird die Darmbarriere geschädigt und nimmt ihre Durchlässigkeit zu, wird von einem „Leaky-Gut-Syndrom“ beziehungsweise einer erhöhten intestinalen Permeabilität gesprochen. Dabei kommt es zu einer Schädigung der Tight Junctions zwischen den Darmepithelzellen.

    Das Leaky-Gut-Syndrom spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Histaminintoleranz und zwar über verschiedene Zusammenhänge. Die Gesundheit der Darmbarriere ist daher bei vielen Betroffenen zentral am Krankheitsprozess beteiligt und sollte deshalb im Zentrum der Therapie stehen.

    Verschiedene Faktoren können zur Entstehung eines Leaky-Gut-Syndroms beitragen, indem sie das Darmepithel schädigen oder dessen Regenerationsfähigkeit beeinträchtigen. Dazu gehören beispielsweise chronischer Stress, Schlafmangel, Nährstoff- und Mikronährstoffmängel, eine stark verarbeitete Ernährung und Umweltschadstoffe.

    Einflüsse über die Ernährung und Umwelt

    Die Ernährung vieler Menschen ist in der heutigen Zeit alles andere als gesund: Industrieweizen mit hohem Gehalt an Gluten, Zucker und Süßstoffe, Softdrinks, Fertigprodukte mit Konservierungsstoffen und sonstigen Zusatzstoffen, Transfette aus frittierten Lebensmitteln oder konventionelles Obst und Gemüse, das mit Pestiziden belastet ist, sind bei vielen Menschen Bestandteile der täglichen Ernährung. Hinzu kommen vielfältige Umweltschadstoffe, die man über Wasser, Luft oder Haushalts- und Kosmetikprodukte zusätzlich aufnimmt.

    All diese Faktoren können zu einer Schädigung der Darmbarriere und einer ungünstigen Beeinflussung des Immunsystems beitragen. Mangelt es gleichzeitig an wichtigen Nähr- und Mikronährstoffen zur Regeneration des Darms oder für die Funktion des Immunsystems, ist schnell ein Punkt erreicht, an dem die Schadwirkungen die Regenerationsfähigkeit des Organismus übersteigen.

    Relevanz der Esshygiene

    Doch nicht nur die Ernährung selbst, sondern auch die Art, wie wir essen, ist relevant. Wer Mahlzeiten ständig unter Zeitdruck einnimmt und nur unzureichend kaut, schwächt die Verdauungsleistung und schädigt letztlich seinen Darm. Um gut zu verdauen, müssen wir in einem entspannten Zustand sein, sodass der parasympathische Anteil des vegetativen Nervensystems aktiviert wird.

    Der Parasympathikus fördert die Durchblutung des Darms und die Darmmotilität und führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Verdauungssekreten, er aktiviert also sämtliche Prozesse, die für eine gute Verdauung wichtig sind.

    Hastiges Essen unter Stress stört die Verdauung hingegen und führt dazu, dass vermehrt unzureichend verdaute Nahrungsbestandteile in den Dünndarm gelangen und zudem der Darm minder durchblutet ist. Wird die Darmschleimhaut nicht ausreichend mit Blut versorgt, mangelt es an Sauerstoff. Dadurch werden Fäulnisprozesse im Darm begünstigt, wodurch es zu ungünstigen Veränderungen im Darmmikrobiom und einer Schädigung der Darmschleimhaut kommen kann.

    Besonders relevant und vor allem gut zu kontrollieren, ist außerdem der Prozess des Kauens als erstem Schritt der Verdauung. Gründliches Kauen zerkleinert die Nahrung mechanisch, vermischt sie mit dem Speichel, der bereits Verdauungsenzyme enthält, und leitet dadurch die folgenden Verdauungsprozesse ein. Zudem aktiviert langsames, gründliches Kauen den Parasympathikus.

    Zusammenfassend kann man also festhalten: Nahrung, Esshygiene, Umweltbelastungen, Stressmanagement und Schlaf sind in Kombination die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Zustand der Darmbarriere und die Regulation des Immunsystems.

    Aktivierung und Fehlregulation des Immunsystems

    Ist die Barrierefunktion des Darms gestört, können unzureichend verdaute Nahrungspartikel, bakterielle Bestandteile und andere unerwünschte Substanzen verstärkt mit den Immunzellen der Darmwand in Kontakt kommen. Dies führt zu einer Aktivierung des Immunsystems, wodurch vermehrt Abwehrreaktionen und Entzündungsprozesse ausgelöst werden. Bei einem chronischen Stimulus ist außerdem eine Fehlregulation des Immunsystems begünstigt.

    Mögliche Folgen sind zum Beispiel:

    ·       Aktivierung von Mastzellen und anderen Immunzellen: Schon geringere Trigger reichen aus, damit es zu einer Ausschüttung von Immunbotenstoffen wie Histamin kommt.

    ·       Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Das Immunsystem erkennt harmlose Nahrungsbestandteile als fremd, wodurch antikörperabhängige Immunreaktionen gegen Lebensmittel ausgelöst werden können.

    ·       Chronische, stille Entzündungen: Die Entzündungsprozesse sind nicht nur lokal auf den Darm beschränkt, sondern es kommt auch zu einer allgemeinen Zunahme an Entzündungen im Organismus und einer Zunahme an oxidativem Stress. Dies steht in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für viele chronische Erkrankungen.

    ·       Autoimmunerkrankungen: Eine geschwächte Darmbarriere und Fehlregulation des Immunsystems steht im Zusammenhang mit der Entstehung von Autoimmunerkrankungen.

    Umweltschadstoffe im Fokus

    Umweltschadstoffe schädigen nicht nur die Darmbarriere, sondern beeinflussen das Immunsystem auch direkt.

    Eine wichtige Rolle in Zusammenhang mit der Histaminintoleranz spielen zum Beispiel Schwermetalle wie Quecksilber, Blei oder Cadmium. Eine Schwermetallbelastung wird in der modernen Umweltmedizin als zentraler Faktor betrachtet, der eine Mastzellaktivierung und Histaminfreisetzung auslösen kann. Neben Schwermetallen reagieren Mastzellen auch empfindlich auf Schimmelpilzgifte, Pestizide, synthetische Duftstoffe wie sie in Parfüms und Kosmetika vorkommen oder Weichmacher aus Kunststoffen.

    Die genannten Schadstoffe können neben einer Beeinflussung der Mastzellen noch viele weitere Prozesse des Immunsystems stören.

    Abgrenzung: Mastzellaktivierungsyndrom (MCAS)

    Kommt es zu einer starken Fehlregulation und stark erhöhten Empfindlichkeit der Mastzellen, sodass diese durch harmlose Reize wie Kälte, Stress oder bestimmte Gerüche unkontrolliert und plötzlich Histamin und viele weitere Entzündungsbotenstoffe ausschütten, spricht man vom Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS).

    Das MCAS hat letztlich die gleichen ursächlichen Faktoren wie die erhöhte Histaminproduktion durch das Immunsystem im Rahmen der Histaminintoleranz. Das Ausmaß der Fehlregulation der Mastzellen ist bei der MCAS jedoch größer.

    Abgrenzung: Systemische Mastozytose

    Bei der systemischen Mastozytose handelt es sich um eine seltene, meist genetisch bedingte Erkrankung mit unkontrollierter Vermehrung von Mastzellen, die sich in verschiedenen Organen ansammeln können.

    2) Gestörter Abbau von Histamin

    Eine weitere zentrale Ursache eines Histaminüberschusses ist eine verminderte Aktivität der beiden Histamin abbauenden Enzyme DAO und HNMT.

    Reduzierte DAO-Aktivität

    Eine reduzierte Aktivität der DAO kann die Verträglichkeit von Histamin aus der Nahrung erheblich herabsetzen.

    Mögliche Gründe sind:

    ·       Genetische Veranlagung: Genetische Varianten des AOC1-Gens können Unterschiede in der DAO-Aktivität begünstigen. Personen mit einer genetisch bedingten verminderten Enzymaktivität fallen jedoch häufig frühzeitig auf, sodass in der Praxis eher erworbene Formen relevant sind.

    ·       Geschädigte Darmschleimhaut: Da die DAO in hoher Konzentration in der Darmschleimhaut gebildet wird, können Erkrankungen oder Schädigungen des Darms ihre Aktivität beeinträchtigen. Dazu gehören beispielsweise Zöliakie und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, aber auch das Leaky-Gut-Syndrom.

    ·       Mikronährstoffmangel: Die DAO gehört zu den kupferhaltigen Aminoxidasen. Kupfer ist direkt Bestandteil ihres aktiven Zentrums und damit für ihre Enzymfunktion relevant. Vitamin C, Vitamin B6 und Zink sind ebenfalls wichtig für die Funktion der DAO.

    ·       Umweltschadstoffe: Bestimmte toxische Substanzen wie Schwermetalle oder Pestizide können die Enzymfunktion blockieren oder über eine Schädigung der Darmschleimhaut die Verfügbarkeit der DAO reduzieren,

    ·       Medikamente: Bestimmte Arzneimittel, darunter Schmerzmittel, Antibiotika und Antidepressiva, können die DAO hemmen.

    Reduzierte HNMT-Aktivität

    Die Histamin-N-Methyltransferase arbeitet im Gegensatz zur DAO innerhalb der Zellen und ist insbesondere für den Histaminabbau in Geweben wie Leber, Niere, Atemwegen und zentralem Nervensystem relevant.

    Für die enzymatische Reaktion benötigt die HNMT S-Adenosylmethionin, kurz SAM beziehungsweise SAMe, als Methylgruppendonor. Die Funktion der HNMT ist damit unmittelbar mit dem Methylierungsstoffwechsel verbunden.

    SAM wird im Körper aus der Aminosäure Methionin gebildet. Für die Regeneration des Methionin- und Methylierungszyklus sind wiederum verschiedene B-Vitamine, insbesondere Folat, Vitamin B12 und Vitamin B6, von Bedeutung. Auch genetische Varianten der HNMT können die Enzymaktivität beeinflussen.

    3) Histaminproduzierende Bakterien im Darm

    Ein weiterer Faktor, der zur Histaminbelastung beitragen kann, ist die vermehrte Bildung von Histamin im Darm durch bestimmte Bakterien. Dazu gehören beispielsweise Morganella morganii, Hafnia alvei und Klebsiella pneumoniae.

    Insbesondere bei einer ausgeprägten Dysbiose oder einem bakteriellen Overgrowth kann sich die Stoffwechselleistung des Darmmikrobioms deutlich verändern. Entscheidend ist daher nicht nur, welche Bakterien vorhanden sind, sondern auch in welchem Mengenverhältnis sie vorkommen und welche Stoffwechselprodukte sie bilden.

    4) Zu viel Histamin über die Nahrung

    Zu viel Histamin über die Nahrung ist in erster Linie ein Auslöser beziehungsweise Trigger der Symptome, zählt aber nicht zu den Ursachen einer Histaminintoleranz.

    Bei einer gesunden Histaminverarbeitung im Darm kann ein großer Teil des über die Nahrung aufgenommenen Histamins bereits durch die DAO in der Darmschleimhaut inaktiviert werden. Ist die Histaminbelastung jedoch sehr hoch, die Darmbarriere geschädigt oder die Abbaukapazität vermindert, gelangt entsprechend mehr Histamin in den Körper.

    Für betroffene Personen stellen besonders histaminreiche Lebensmittel daher einen wichtigen Trigger dar. Bis das Gleichgewicht im Histaminstoffwechsel verbessert wurde, kann es sinnvoll sein, entsprechende Lebensmittel deutlich zu reduzieren.

    Zu den histaminreichen Nahrungsmitteln gehören beispielsweise:

    ·       gereifter Käse, etwa Parmesan, Gouda oder Camembert

    ·       gepökelte und geräucherte Fleischprodukte wie Salami und Schinken

    ·       länger gelagerter Fisch und Fischkonserven

    ·       fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi und Sojasoße

    ·       alkoholische Getränke, insbesondere Wein

    Neben histaminreichen Lebensmitteln werden weitere Nahrungsmittel diskutiert, die den Histaminstoffwechsel beeinflussen können. Häufig ist in diesem Zusammenhang von sogenannten Histaminliberatoren die Rede. Hierzu werden beispielsweise Zitrusfrüchte, Tomaten, Erdbeeren, Schokolade und bestimmte Nüsse gezählt. Wie stark einzelne Lebensmittel tatsächlich die Histaminfreisetzung beeinflussen, ist jedoch individuell unterschiedlich.

    Zudem gibt es Lebensmittel mit anderen biogenen Aminen, die um Abbauwege mit Histamin konkurrieren und so die Gesamtbelastung erhöhen können. Dazu gehören beispielsweise Bananen, Avocados, Tomaten und Auberginen.

    Frische und Lagerung von Lebensmitteln

    Auch Lebensmittel, die im frischen Zustand einen geringen Histamingehalt haben, können durch längere Lagerung höhere Mengen entwickeln und dadurch schlechter verträglich werden. Histamin entsteht im Lebensmittel durch die mikrobielle Umwandlung der Aminosäure Histidin. Bakterien spielen dabei eine besonders wichtige Rolle.

    Da Histamin sehr hitze- und kältestabil ist, lässt es sich nach seiner Entstehung durch Kochen, Braten oder Einfrieren nicht mehr zerstören. Für Betroffene kann es daher sinnvoll sein, stärker auf die Frische der Lebensmittel zu achten.

    Zubereitete Speisen sollten nicht unnötig lange gelagert werden. Wer größere Portionen vorkocht, kann Reste möglichst rasch abkühlen und einfrieren, anstatt sie mehrere Tage im Kühlschrank aufzubewahren.

    Diagnose einer Histaminintoleranz

    Die Diagnose einer Histaminintoleranz ist nicht einfach, da es keinen einzelnen medizinischen Test gibt, mit dem sie eindeutig festgestellt werden kann. Stattdessen müssen verschiedene Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden und verschiedene Befunde gemeinsam interpretiert werden.

    Eine der wichtigsten Grundlagen ist eine ausführliche Anamnese. Hilfreich kann ein Ernährungs- und Symptomtagebuch sein, in dem neben den Mahlzeiten auch Beschwerden, Schlaf, Stress, Medikamente, Bewegung und gegebenenfalls der Menstruationszyklus dokumentiert werden. Eine zeitlich begrenzte histaminarme Ernährung mit anschließender kontrollierter Wiedereinführung von Lebensmitteln kann ebenfalls hilfreich sein.

    Folgende Differentialdiagnosen sollten ausgeschlossen werden:

    ·       Allergien: IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien können je nach Fragestellung beispielsweise mittels spezifischer IgE-Diagnostik und Hauttests untersucht werden.

    ·       Darmerkrankungen: Zöliakie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sollten je nach Symptomatik ausgeschlossen werden. Hierfür kann eine Darmspiegelung mit Biopsie erforderlich sein.

    ·       Mastozytose: Zum Ausschluss einer Mastozytose bei entsprechendem Verdacht kann unter anderem die Serumtryptase bestimmt werden. Eine erhöhte basale Tryptase kann einen Hinweis auf eine erhöhte Mastzelllast geben, beweist allein jedoch ebenfalls keine systemische Mastozytose.

    Folgende Laboruntersuchungen können hilfreich sein, um eine Störung des Histaminstoffwechsels zu erkennen und die zugrunde liegenden Ursachen herauszufinden:

    ·       DAO-Aktivität und DAO-Konzentration im Blut

    ·       Gesamt-Histamin im Blut

    ·       Histamin beziehungsweise Histaminmetaboliten in Stuhl und Urin

    ·       DAO- und HNMT-Genetik

    ·       Mikrobiomanalyse (histaminbildende Bakterien, Dysbiose)

    ·       Darmwandparameter (z. B. Zonulin, sekretorisches IgA)

    ·       Verdauungsleistung (z. B. Pankreaselastase, Verdauungsrückstände im Stuhl)

    ·       Bestimmung des individuellen Mikronährstoffstatus (z. B. Vollblutmineralanalyse, B-Vitamine)

    Die Auswahl der Untersuchungen sollte individuell erfolgen entsprechend der Symptome und Krankengeschichte.

    Ganzheitliche Maßnahmen bei Histaminintoleranz

    Eine Histaminintoleranz, sofern nicht genetisch bedingt, kann durch gezielte, ganzheitliche Maßnahmen deutlich verbessert oder sogar überwunden werden. Sinnvoll ist ein stufenweises Vorgehen, das an die individuellen Ursachen angepasst wird.

    Akutmaßnahme: Histaminbelastung vorübergehend reduzieren

    Eine histaminarme Ernährung kann helfen die Symptome zu lindern, da dadurch die Gesamtbelastung des Körpers mit Histamin reduziert wird. Dies ist jedoch keine ursächliche Behandlung, sondern nur eine phasenweise Intervention bis die eigentlichen Ursachen adressiert wurden. Das langfristige Ziel sollte eine vielfältige Ernährung und keine Verbotsliste sein.

    Basis: Ernährung optimieren

    Der Fokus sollte auf einer naturbelassenen, vielfältigen, vitalstoffreichen Ernährung liegen mit viel Gemüse, Obst sowie gesunden Protein- und Fettquellen. Stark verarbeitete Produkte oder Fertiggerichte, Frittiertes, Saatenöle, Weißmehl und Zucker und Alkohol sollten möglichst gemieden werden.

    Besonders wichtig für die Darmbarriere ist eine ausreichende Proteinversorgung, da Aminosäuren für die Bildung und Regeneration der Darmschleimhaut in ausreichender Menge vorhanden sein müssen. Auch auf die Versorgung mit Ballaststoffen sollte besonders geachtet werden, da Ballaststoffe Nahrung für gesunde Darmbakterien darstellen und somit ein gesundes Darmmikrobiom fördern. Zudem unterstützen Ballaststoffe die Darmbewegung und Reinigung. Empfohlen werden mindestens 30 g pro Tag.

    Ebenso wichtig ist die Esshygiene: Mahlzeiten möglichst in Ruhe einnehmen, gründlich kauen und Ablenkung beziehungsweise Stress während des Essens reduzieren. Bereits diese einfachen Maßnahmen können die Verdauung und Darmgesundheit deutlich verbessern.

    Basis: Mehr reines Wasser trinken

    Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für sämtliche Prozesse im Körper wichtig, insbesondere auch für die Ausscheidung wasserlöslicher Stoffwechselprodukte und Schadstoffe.

    Dabei sollte nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität des Wassers berücksichtigt werden. Leitungswasser kann je nach Region und Leitungssystem mit unerwünschten Stoffen belastet sein, beispielsweise mit Schwermetallen, Pestiziden, Arzneimittelrückständen oder anderen Umweltchemikalien. Auch Flaschenwasser aus Plastik- oder Glasflaschen kann Belastungen aufweisen, etwa durch Mikroplastik.

    Aus diesem Grund ist eine Wasserfilterung, idealerweise mittels Umkehrosmose, empfehlenswert.

    Basis: Chronischen Stress reduzieren

    Chronischer Stress beeinflusst Nervensystem, Verdauung, Darmbarriere, Immunsystem und hormonelle Regelkreise gleichzeitig. Stressregulation ist deshalb ein wichtiger Bestandteil eines ursächlichen Vorgehens. Wird dieses Thema vernachlässigt, kann dies den gesamten Heilungsprozess blockieren oder verlangsamen.

    Was dabei hilft, ist sehr individuell. Sinnvoll können beispielsweise regelmäßige Spaziergänge in der Natur, Atemübungen, Meditation, Yoga, kreative Projekte oder Zeit mit Familie und Freunden sein. Neben diesen täglichen Entspannungsroutinen, sollten auch tieferliegende Stressoren wie ungelöste Konflikte oder traumatische Erfahrungen adressiert werden.

    Basis: Schlaf verbessern

    Ausreichend langer und erholsamer Schlaf ist für eine Regeneration des Körpers unabdingbar. Schlafmangel fördert chronische Entzündungen, schwächt das Immunsystem und den Darm und hat viele weitere negative Konsequenzen für den Organismus.

    Maßnahmen wie das Vermeiden von blauem Licht und schweren Mahlzeiten am Abend sowie das Einplanen einer Entspannungsroutine vor dem Schlafengehen können den Einschlafprozess erleichtern und die Schlafqualität verbessern. Die Ursachen von Schlafstörungen können vielfältig sein und auch direkt mit der Störung des Histaminstoffwechsels zusammenhängen. Je nach Schweregrad der Schlafstörung kann es sinnvoll sein, weiterführende Untersuchungen wie zum Beispiel eine Analyse in einem Schlaflabor in Betracht zu ziehen.

    Die beschriebenen „Basismaßnahmen“ schaffen die Voraussetzungen, damit weiterführende Maßnahmen ihre Effekte ideal entfalten können. Schon allein mit diesen Grundlagen eines gesunden Lebensstils können vielfältige Verbesserungen erzielt werden.

    Weiterführend: Nahrungsergänzungen für den Darm

    Je nach individueller Situation können Nahrungsergänzungen eingesetzt werden, um Verdauungsleistung, Darmbarriere und Mikrobiom gezielt zu unterstützen.

    Verdauungsleistung unterstützen:

    ·       Verdauungsenzyme: Kombinationspräparate können Enzyme zur Aufspaltung von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten enthalten. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Proteasen, Lipasen und kohlenhydratspaltende Enzyme. Sie werden zu den Mahlzeiten eingesetzt und können insbesondere bei eingeschränkter Verdauungsleistung eine unterstützende Maßnahme darstellen.

    ·       Betainhydrochlorid: Bei tatsächlich verminderter Magensäureproduktion kann Betain-HCl eine mögliche Option darstellen. Die Einnahme erfolgt zu den Mahlzeiten. Dies verbessert die Proteinverdauung sowie die Aufnahme von Vitamin B12 und Eisen.

    Darmbarriere und Darmmilieu unterstützen:

    ·       Ballaststoffe: Lösliche Ballaststoffe wie Akazienfasern, Inulin oder Fructooligosaccharide können von Darmbakterien fermentiert werden und dienen damit als Präbiotikum für das Mikrobiom.

    ·       L-Glutamin: Die Aminosäure L-Glutamin dient Darmepithelzellen als wichtiger Energieträger und kann zur Unterstützung der Regeneration der Darmschleimhaut eingesetzt werden.

    ·       Butyrat: Butyrat beziehungsweise Buttersäure gehört zu den kurzkettigen Fettsäuren und ist eine wichtige Energiequelle für die Zellen des Dickdarms. Normalerweise wird Butyrat von Darmbakterien bei der Fermentation bestimmter Ballaststoffe gebildet. Bei einer ungünstigen Mikrobiomzusammensetzung kann die körpereigene Produktion reduziert sein.

    ·       Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA sind wichtige Bausteine für die Zellmembranen und wirken zudem entzündungshemmend. Eine gute Versorgung mit Omega 3 verbessert zudem die Aufnahme von Mikronährstoffen und die Abgabe von Schadstoffen aus den Zellen.

    Mikrobiom gezielt aufbauen:

    Probiotika sollten bei Histaminproblemen gezielt ausgewählt werden, wenn nötig, und nicht pauschal eingesetzt werden. In probiotischen Nahrungsergänzungen können Bakterien vorhanden sein, die Histamin bilden können. Die Einnahme solcher Produkte könnte somit potenziell sogar die Symptome der Histaminintoleranz verstärken.

    Weiterführend: Mikronährstoffe passend ergänzen

    Mikronährstoffe sollten anhand von Laborbefunden gezielt ergänzt werden. Besonders relevant können sein:

    ·       Für die Funktion der DAO: Kupfer, Vitamin B6, Vitamin C, Zink

    ·       Für die Funktion der HNMT: Folsäure, Vitamin B12, Vitamin B6, Methionin, SAMe

    Selbstverständlich sollten auch weitere Vitalstoffe untersucht und festgestellte Mängel ausgeglichen werden. Zur Reduzierung von oxidativem Stress im Körper kann zudem die ergänzende Einnahme von Antioxidantien wie Polyphenolen und weiteren sekundären Pflanzenstoffen sinnvoll sein. Dies sollte in erster Linie jedoch über die Ernährung erfolgen.

    Weiterführend: Mastzellen stabilisieren

    Bei einer erhöhten Mastzellaktivität können bestimmte Pflanzenstoffe unterstützend eingesetzt werden. Besonders gut untersucht ist Quercetin, ein Flavonoid, das die Aktivierung von Mastzellen und die Freisetzung von Histamin und weiteren Entzündungsmediatoren hemmen kann.

    Weitere interessante Substanzen sind Luteolin, Curcumin, Resveratrol, EGCG aus grünem Tee und Silymarin sowie Pflanzenextrakte aus Baikal-Helmkraut, Schwarzkümmel, Perilla und Brennnessel. Die genannten Substanzen oder Extrakte werden in der Pflanzenheilkunde zur Stabilisierung von Mastzellen eingesetzt.

    Weiterführend: DAO-Präparate und Medikamente

    Bei genetisch bedingtem DAO-Mangel oder zur kurzfristigen Unterstützung bei nicht-genetisch bedingtem DAO-Mangel kann die Einnahme von DAO-Präparaten helfen. Diese sind frei verkäuflich und können zu einer histaminreichen Mahlzeit eingenommen werden. Dies ist eine Möglichkeit zur Symptomunterdrückung.

    Genauso ist auch die Einnahme von Antihistaminika nur eine symptomatische Behandlung und sollte nicht dauerhaft erfolgen. Antihistaminika sind Medikamente, die die Wirkung von Histamin hemmen, indem sie den Rezeptor für Histamin blockieren. Typische Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Konzentrationsprobleme.

    Fazit – Histaminintoleranz oftmals gut behandelbar

    Bei einer Histaminintoleranz handelt es sich um einen Überschuss an Histamin im Verhältnis zur Abbaukapazität des Körpers. Verschiedene Ursachen können dabei eine Rolle spielen, wobei die Dichtigkeit der Darmbarriere oftmals eine besondere Relevanz bei der Entstehung spielt. Durch gezielte, individuell abgestimmte Maßnahmen kann der Histaminstoffwechsel bei vielen Betroffenen wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.

     

    Hinweis zur Einordnung: Dieser Beitrag ist aus der Perspektive der Functional Medicine verfasst und orientiert sich an deren Konzepten und Therapieansätzen. Einzelne dargestellte Zusammenhänge und Empfehlungen können über den derzeitigen Konsens der evidenzbasierten konventionellen Medizin hinausgehen oder wissenschaftlich noch nicht abschließend belegt sein.