GESUND ODER KRANK: DIE DARMFLORA BESTIMMT UNSER WOHLERGEHEN
Alle Jahre wieder beginnt spätestens im Winter die Saison der Infekte. Allerdings haben wir heutzutage im Gegensatz zu der Zeit vor 100 Jahren den Vorteil, viel mehr über die Zusammenhänge eines gesund arbeitenden Immunsystems zu wissen und darauf Einfluss nehmen zu können. So wissen wir heute, dass der Darm das Schlüsselorgan des Immunsystems ist. Dabei tragen die darmfreundlichen Bakterien mit ihren verschiedenen Aufgaben die Hauptlast, unsere Gesundheit zu schützen. Aber nicht nur für das Immunsystem ist eine intakte Darmflora von größter Bedeutung: Entzündungen als Ursache fast jeder schwerwiegenden Erkrankung werden im Keim erstickt, und die ausreichende Bildung von Serotonin kann die Entwicklung von Depressionen verhindern. Neuesten Erkenntnissen zufolge ist die Darmflora für die menschliche Gesundheit von so elementarer Bedeutung, dass sie als eigenes Organ gelten könnte.
Der Darm: Sitz des Immunsystems
Ein gesunder Darm beginnt mit einer ausgewogenen Darmflora. Offizielle Schätzungen gehen von mindestens 10 000 verschiedenen Spezies aus, die den menschlichen Darm besiedeln, wobei manche Experten sogar von über 35 000 Arten sprechen. Als wichtigste Vertreter gelten besondere Milchsäurebakterien, Lactobazillen und Bifidobakterien, die durch Freisetzung saurer Stoffwechselprodukte (Milchsäure) den pH-Wert des Darms im sauren Bereich stabilisieren. Dadurch wird das Gleichgewicht der Darmflora gestärkt und einer Besiedelung durch fremde Keime vorgebeugt.Eine intakte Darmflora bildet ausreichend Serotonin
Im Magen-Darm-Trakt sind derart viele Nervenzellen verortet, dass nicht wenige Wissenschaftler sie mittlerweile unter dem Begriff „zweites Gehirn” oder „Bauchgehirn” zusammen fassen. Dieses zweite Gehirn steuert nicht nur Muskeln, Immunzellen und Hormone, sondern erzeugt zudem etwas wirklich Wichtiges: Serotonin, das Glückshormon. Antidepressiva mit Wirkstoffen wie Paroxetin, Sertralin oder Escitalopram erhöhen im Gehirn die Verfügbarkeit des Wohlfühlhormons Serotonin. Dass 80-90% der Serotoninmenge im Körper von den Nervenzellen des „Bauchgehirns” erzeugt werden, ist den meisten von uns nicht bewußt. Das „Bauchgehirn” produziert somit weit mehr Serotonin als das Gehirn in unserem Kopf.Entzündliche Prozesse sind der Anfang allen Übels...
...und eine intakte Darmflora leistet dagegen Widerstand! Entzündungen sind an weit mehr Krankheitsprozessen beteiligt, als die meisten Menschen sich vorstellen können. Tatsächlich liegen so unterschiedlichen Gesundheitsproblemen wie starkem Übergewicht, Diabetes, Krebs, Depressionen, Autismus, Asthma, Arthritis, koronarer Herzkrankheit, Multipler Sklerose und sogar der Parkinson- und Alzheimer-Krankheit Entzündungsprozesse zugrunde.Die Vielfalt der Darmflora erhalten und erneuern
Es wird deutlich, dass wir die in unserer Darmflora vorhandenen Bakterienstämme hüten und pflegen müssen und alles daran setzen sollten, eine gesunde Vielfalt zu erhalten. Erste Hinweise auf eine nicht intakte Darmflora sind immer Verdauungsbeschwerden jeglicher Art. Die Gesundheit und Vielfalt der Darmflora beruht unmittelbar auf der Nahrung, die wir verzehren. Lebensmittel mit vielen Fasern, von denen die Darmbakterien leben, und wenig raffiniertem Zucker, unterstützen eine robuste Mischung an Bakterienarten, die auch zur Aufrechterhaltung der Darmwand beitragen. Denn um die empfindliche Darmflora aus dem Gleichgewicht zu bringen bedarf es nicht viel. Unsere typischen Ernährungsgewohnheiten, die Weißmehl, Fertigprodukte, ungesunde Fette, Zucker, Alkohol und Nikotin beinhalten, genügen meist, um die Zusammensetzung der Darmbakterien zu stören. Hinzu kommt die Einnahme von Medikamenten (vor allem Antibiotika, Cortison, Pille). Auch Bewegungsmangel und Stress sind Faktoren, deren Einfluss auf die Darmflora im negativen Sinne immens sind. Die gezielte Regeneration und Stärkung der Darmflora bewirkt eine grundsätzliche Entlastung des Körpers: Das Immunsystem wird gestärkt, Entzündungsprozesse verhindert, der Stoffwechsel angeregt, Nährstoffe werden optimal aufgenommen, Stimmungsschwankungen verbessert und die Verdauung reguliert. Mehr noch: Langfristig ist eine ausgewogene Mischung und Vielfalt an Bakterien in unserer Darmflora eine vorbeugende Maßnahme gegen vieler unserer Zivilisationserkrankungen.
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VITAMIN K2: DOPPELTER SCHUTZ VOR OSTEOPOROSE & ARTERIOSKLEROSE
Die Kalziumverteilung in unserem Körper übernimmt Vitamin K2 in 2 Bereichen: Beim Knochen- und Zahnaufbau und beim Erhalt glatter Blutgefäß-Wände. Um krankhafte Prozesse in der Knochensubstanz und in den Gefäßen zu verhindern, ist ausreichend Vitamin K2 entscheidend. Dazu sollte man folgendes verstehen: Vitamin K2 reguliert die Kalziumverwertung. Für die Kalziumverwertung im Körper sind hauptsächlich die beiden Proteine Osteocalcin und MGP (Matrix Gla Protein) verantwortlich. Diese beiden Proteine müssen aktiviert, carboxyliert, werden, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Die Aktivierung dieser beiden Proteine kann aber nur erfolgen, wenn genügend Vitamin K2 im Körper vorhanden ist. Erst dann kann das Protein Osteocalcin Kalzium binden und in der Hartsubstanz von Knochen und Zähnen ablagern. Das Protein MGP dagegen verhindert im aktivierten Zustand den Einbau von Kalzium an den falschen Stellen und hemmt damit die Verkalkung von Blutgefäßen und die Verkalkung von Knorpeln. Auch kann es sogar Kalziumionen aus bestehenden Plaques wieder entfernen. Im Folgenden werden die Funktion und Wichtigkeit von Vitamin K2 noch genauer vorgestellt.
Vitamin K2 für gesunde Knochen...
Anders als gemeinhin angenommen, handelt es sich bei Knochen nicht um ein „totes”, statisches Gebilde. Knochen sind lebende Organe, die sich ständig auf- und ab- bzw. umbauen. Der Knochenstoffwechsel ist ein komplexer Vorgang und eine Vielzahl von Faktoren spielen dabei eine Rolle. Beim gesunden Knochen herrscht zwischen der Aktivität von Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten) und Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) ein Gleichgewicht. Innerhalb von 8 bis 10 Jahren wird so das gesamte Skelett einmal erneuert. Kalzium, Magnesium, Phosphat, Vitamin D, Vitamin K2, verschiedene Hormone, ausreichend Bewegung, genug Sonnenschein — alle diese Faktoren tragen zu einem gesunden Knochenwachstum bei. Wie entscheidend Vitamin K2 ist, hat sich erst in den vergangen Jahren herausgestellt. Geraten Knochenaufbau und Knochenabbau aus dem Gleichgewicht, kommt es zu Knochenwucherungen, Knochenschwund und anderen Deformationen. Vor allem die berüchtigte Osteoporose wird dadurch ausgelöst. Man kann heute davon ausgehen, dass jede dritte Frau nach der Menopause eine behandlungsbedürftige Osteoporose entwickelt und jeder dritte Mann im Alter von über 70 Jahren ebenfalls betroffen ist. Wie sich gezeigt hat ist Vitamin K2 in Verbindung mit dem carboxylierten Protein Osteocalcin für den Aufbau kräftiger Knochen genau so wichtig wie Kalzium und Vitamin D3. Denn erst durch das Vitamin-K2-abhängige Protein Osteocalcin kann Kalzium in die Knochenmatrix eingebaut werden, was die Knochendichte und Knochenqualität erhöht. Da vor allem alte Menschen häufig chronisch mit Vitamin K2 unterversorgt sind, gefährdet man durch die Einnahme von Kalziumpräparaten sogar die Gesundheit, statt sie zu fördern. Wer also Vitamin D und/oder Kalziumpräparate einnimmt, muss konsequenterweise unbedingt dafür sorgen, auch ausreichend mit Vitamin K2 versorgt zu sein. Die Bedeutung von Vitamin K2 für die Knochengesundheit wurde übrigens schon 2009 von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erkannt und anerkannt....und gesunde Gefäße
In der Schulmedizin hält man die Arteriosklerose für chronisch fortschreitend und nicht heilbar. Diese Lehrmeinung sollte im Ansatz revidiert werden: denn seit neuestem weiß man, dass Vitamin K2 nicht nur vor der gefürchteten Verkalkung der Herzgefäße schützt, sondern sogar Kalzium-Einlagerungen teilweise wieder rückgängig machen kann! Bisher wurde Vitamin K2 bzw. die chronische Unterversorgung damit noch nicht als Risikofaktor für Arteriosklerose gesehen, dafür aber die Rolle von Cholesterin allzu oft überbewertet. Arteriosklerose tritt auf, wenn das Protein MPG aus Mangel an Vitamin K2 nicht aktiviert wird. Dabei gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen einem niedrigen Spiegel an aktiviertem MPG, einem Mangel an Vitamin K2 und einen starken Verkalkungsgrad der Herzarterien. Der Kalziumeinbau in die atherosklerotischen Plaques der Gefäßwände ist ein aktiver Prozess, ähnlich der Knochenbildung. Deshalb ist die Arterienverkalkung auch unabhängig von der Menge des eingenommenen Kalziums. Verhindert wird das durch das Vitamin-K2-abhängige Protein MGP. MGP ist aber nicht nur in der Lage, Gefäße vor der Einlagerung von Kalzium zu schützen. Es kann auch aktiv Kalziumionen aus bestehenden Plaques wieder entfernen, wie eine Studie mit Ratten ergab. Durch Vitamin-K2-reiche Nahrung ließ sich der Kalziumgehalt in den Plaques innerhalb von 6 Wochen um 37% reduzieren.Zusammenfassung
Ein Zusammenhang zwischen Arterienverkalkung und mangelhafter Knochengesundheit ist übrigens in der Medizin allgemein bekannt. Ebenso die Tatsache, dass die längerfristige Einnahme von Blutgerinnungshemmern zu erhöhter Arterienverkalkung, Knochenschwund und Knochenbrüchigkeit führen kann.Fazit
Mit unserem Wissen über das Zusammenspiel der beiden Vitamin-K2-abhängigen Proteine Osteocalcin und MGP liegt die Erklärung für einen paradoxen Effekt auf der Hand: Es nützt nämlich gar nichts, dem Körper Kalzium zuzuführen, ohne gleichzeitig diese beiden Proteine zu aktivieren, die darüber wachen, dass der Kalziumeinbau an der richtige Stelle erfolgt. Im Gegenteil: mangelt es an Vitamin K2, bleiben Osteocalcin und MGP weit gehend inaktiv und Kalzium „irrt” gewissermaßen unbeaufsichtigt im Körper umher und wird ungesteuert an falschen Orten eingelagert. Da nützt es auch nichts, wenn man zusätzlich Vitamin D einnimmt, um die Aufnahme von Kalzium in den Körper zu sichern. Denn es ist offensichtlich, dass der Kalziumstoffwechsel ohne ausreichend Vitamin K2 nicht funktioniert!
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